Mad Men 3.2: „Love Among the Ruins”
Penn Station, einer der schönsten Bahnhöfe Amerikas, wird abgerissen, damit an seiner Stelle der neue Madison Square Garden entstehen kann. Das ist historisch, und die Folge macht daraus ein Bild für alles, was in ihr passiert: Altes wird abgerissen, Neues wird gebaut, und niemand fragt, ob das Neue besser ist.
Sterling Cooper soll für die Bauherren werben. Paul, der Romantiker, ist entsetzt und stellt sich im Meeting fast auf die Seite der Demonstranten. Pete versucht zu retten, was zu retten ist, und scheitert. Also muss Don ran. Sein Rat an den Kunden ist typisch Don: Man solle nicht gegen die öffentliche Meinung kämpfen, sondern das Gespräch verändern. Nicht über das reden, was verloren geht, sondern über die glänzende Zukunft, die kommt. Das ist so brillant wie zynisch, und es funktioniert. Und dann kommt Lane Pryce und erklärt Don, dass man den Kunden trotzdem fallen lassen wird, weil die Briten andere Pläne haben. Don ist zum ersten Mal nicht mehr Herr über seine eigene Arbeit.
Der zweite Werbestrang ist fast eine Komödie. Pepsi bringt eine Diät-Cola namens Patio heraus, und die Männer im Team sind sich einig, dass der Spot genauso aussehen soll wie der Anfang von „Bye Bye Birdie", mit Ann-Margret, die in die Kamera singt. Peggy hält dagegen: Frauen würden sich mit dieser Kindfrau nicht identifizieren, sie sei eine Fantasie für Männer. Niemand hört ihr zu. Abends geht Peggy in eine Bar, imitiert diese Art Frau, flirtet mit einem Studenten und nimmt ihn mit. Ich finde das eine interessante, aber auch etwas irritierende Szene. Sie zeigt, dass Peggy ausprobieren will, wie es sich anfühlt, die Frau aus der Werbung zu sein, aber die Folge findet nicht ganz heraus, was sie damit sagen will. Danach beschließt Peggy, nach Manhattan zu ziehen, weg aus Brooklyn, weg von ihrer Familie.
Zu Hause wird es eng. Bettys Vater Gene, zunehmend dement, zieht bei den Drapers ein. Bettys Bruder William und seine Frau wollen ihn in ein Heim stecken und das Elternhaus übernehmen. Betty ist hin- und hergerissen. Don beendet die Diskussion mit einer Kälte, die man sonst nur aus dem Büro kennt: Gene bleibt bei ihnen, William fährt nach Hause, mit dem Zug. Don verteidigt hier seine Frau gegen ihre eigene Familie, und Betty ist dankbar. Gleichzeitig weiß man, dass Don und Gene sich nie ausstehen konnten. Ein seltsamer Akt der Großzügigkeit.
Am Ende der Folge sitzt Don bei Sallys Schulfest und schaut zu, wie die Kinder um den Maibaum tanzen. Ihre Lehrerin tanzt mit, barfuß, frei, mit Blumen im Haar. Don sieht nur sie. Er streicht mit der Hand durch das Gras unter seinem Stuhl, und man weiß sofort, dass da etwas Neues beginnt. Eine wunderschön gefilmte Szene, und eine, die nichts Gutes verheißt.
Meine Einschätzung: Eine thematisch dichte, aber erzählerisch etwas zerstückelte Folge. Die Penn-Station-Geschichte ist klug und zeigt Don auf der Höhe seiner rhetorischen Macht, die Patio-Geschichte gibt Peggy einen guten Konflikt. Peggys Barszene wirkt allerdings unentschlossen, und der Gene-Strang braucht etwas zu lange, um Fahrt aufzunehmen. Die Schlussszene mit der Lehrerin ist ein Highlight und ein deutlicher Hinweis, wohin die Staffel geht.
Wertung (Claude): 7,5/10