Mad Men 3.1: „Out of Town”
Die dritte Staffel beginnt mit einer Szene, die eigentlich unmöglich ist: Don sieht seine eigene Geburt. Nachts in der Küche, beim Milchwärmen für die schwangere Betty, stellt er sich vor, wie seine Mutter, eine Prostituierte, bei der Geburt stirbt und das Baby einer Bauernfamilie übergeben wird, die es nicht haben will. Eine Erinnerung, die er gar nicht haben kann. Für mich ein kluger Einstieg in eine Staffel, in der es darum geht, wer man ist, wenn man niemandem gehört.
Seit dem Verkauf an die Briten hat sich bei Sterling Cooper einiges verändert. Ein neuer Finanzchef ist da, Lane Pryce, ein steifer, korrekter Engländer, der vom ersten Tag an spart und streicht. Jared Harris spielt ihn mit einer leisen Verlegenheit, die mich sofort für ihn eingenommen hat. Burt Peterson, der alte Chef der Kundenbetreuung, wird gefeuert und tobt beim Abgang. Und Lane spielt ein fieses Spiel: Er ernennt Pete und Ken beide zum Leiter der Kundenbetreuung, ohne dass der eine vom anderen weiß. Ken nimmt es gelassen, Pete platzt fast vor Wut. Zwei Männer, die gerade noch Kollegen waren, sind jetzt Konkurrenten, und nur einer wird übrig bleiben.
Der Hauptstrang führt Don und Sal nach Baltimore, um den Kunden London Fog zu beruhigen. Im Flugzeug flirten zwei Stewardessen mit ihnen, eine hält Don wegen eines Kofferanhängers für einen Mr. Hofstadt, den Namen von Bettys Vater. Don widerspricht nicht. Er nennt sich einfach Bill, spielt den geheimnisvollen Fremden und verbringt die Nacht mit ihr. Für Don ist das kein Abenteuer, sondern Routine: In einer fremden Stadt jemand anderes sein, das ist sein Normalzustand.
Sal erlebt in derselben Nacht etwas ganz anderes. Ein Hotelpage macht ihm in seinem Zimmer Avancen, und zum ersten Mal in der Serie gibt Sal nach. Dann geht der Feueralarm los, alle müssen raus, und Don sieht durch das Fenster Sal mit dem jungen Mann. Auf dem Rückflug sagt Don kein Wort darüber. Stattdessen entwickelt er beiläufig einen Slogan für London Fog: „Limit your exposure", schränke dein Risiko ein. Ein Rat, ein Versprechen, eine Warnung, alles in drei Worten. Sal versteht. Ich finde diese Szene großartig, weil sie so viel über Don sagt: Er urteilt nicht, er schützt, aber er tut es auf die einzige Art, die er kennt, indem er das Geheimnis zum Geschäft macht.
Meine Einschätzung: Ein solider, unaufgeregter Staffelauftakt. Die Einführung von Lane Pryce ist gelungen, der Konkurrenzkampf zwischen Pete und Ken verspricht viel, und Sals Moment im Hotel ist bewegend, vor allem durch Dons Reaktion. Was mir weniger gefällt: Dons Stewardessen-Episode wirkt wie eine Wiederholung bekannter Muster, und die Geburtsszene am Anfang ist mir einen Tick zu kunstvoll. Eine gute Folge, die vor allem Weichen stellt.
Wertung (Claude): 8/10