Serienkritiken

Mad Men 2.13: „Meditations in an Emergency”

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Oktober 1962, die Kubakrise. Die Welt steht kurz vor dem Atomkrieg, und alle Figuren dieser Folge tun, was Menschen tun, wenn sie glauben, dass vielleicht morgen alles vorbei ist: Sie sagen die Wahrheit, oder sie tun endlich, was sie sich nie getraut haben. Der Titel stammt aus dem Gedichtband, den Don zu Beginn der Staffel gekauft hat, und er passt perfekt. Das ganze Finale ist eine Meditation im Ausnahmezustand.

Betty erfährt beim Arzt, dass sie schwanger ist. Mitten in der Trennung, mitten in der Krise. Sie denkt kurz über einen Ausweg nach, und dann tut sie etwas, das ich ihr bis dahin nicht zugetraut hätte: Sie geht in eine Bar, lernt einen fremden Mann kennen und schläft mit ihm im Hinterzimmer. Kein Wort, keine Romantik, einfach eine Tat. Für mich ist das kein Akt der Leidenschaft, sondern ein Akt des Ausgleichs. Betty holt sich das Recht zurück, das Don sich jahrelang genommen hat. Danach ist sie bereit, ihn zurückzunehmen.

Don kommt aus Kalifornien zurück und schreibt Betty einen Brief. Kein Plädoyer, keine Rechtfertigung, sondern ein ehrliches Eingeständnis, dass er ohne sie und die Kinder nicht weiß, wer er ist. Betty liest den Brief und lädt ihn ein, nach Hause zu kommen. Und dann sagt sie ihm, dass sie schwanger ist. Das Schlussbild zeigt die beiden am Küchentisch, Hand in Hand, ohne Worte. Ist das eine Versöhnung oder eine Kapitulation? Die Folge lässt es offen, und das finde ich richtig.

Im Büro läuft der Verkauf der Agentur an die Briten. Duck Phillips soll Präsident werden, und er genießt den Triumph sichtlich. Er hat wieder getrunken, und man sieht es ihm an. Doch Duck hat einen Fehler gemacht: Er hat Don unterschätzt. In der entscheidenden Sitzung erklärt Don ruhig, dass er keinen Vertrag mit Sterling Cooper hat. Er ist an nichts gebunden. Wenn Duck der Boss wird, geht Don, und mit ihm die Kunden. Die Briten lassen Duck fallen. Don hat gewonnen, ohne sich anzustrengen, einfach indem er der Mann ist, der jederzeit verschwinden kann. Ein brillanter Moment, und eine bittere Wahrheit über Don: Seine größte Stärke ist, dass er an niemandem hängt.

Das emotionale Herz der Folge gehört aber Peggy und Pete. In der Angst vor dem Krieg gesteht Pete Peggy seine Liebe. Er sagt, er hätte lieber sie geheiratet. Und Peggy, die monatelang geschwiegen hat, sagt ihm die Wahrheit: Sie hatte sein Kind. Sie hat es weggegeben. Sie hätte ihn haben können, sagt sie, aber sie wollte nicht. Pete ist fassungslos. Elisabeth Moss spielt diese Szene mit einer Ruhe, die mir jedes Mal den Atem raubt. Peggy befreit sich hier nicht von Pete, sie befreit sich von der Lüge. Danach geht sie in die Kirche, wo Father Gill auf sie wartet, und man ahnt, dass sie dort keine Absolution sucht.

Meine Einschätzung: Ein großartiges Finale, das die Kubakrise klug als Rahmen nutzt, ohne sie zum Thema zu machen. Peggys Geständnis ist einer der stärksten Momente der ganzen Serie, Dons Konter gegen Duck ist ein kleines Meisterstück der Selbstbehauptung, Bettys Rache ist überraschend und konsequent. Wenn ich etwas bemängeln muss: Die Versöhnung der Drapers kommt etwas schnell, und die Kubakrise selbst bleibt fast zu sehr Kulisse. Aber das sind Kleinigkeiten in einer Folge, die die zweite Staffel würdig abschließt.

Wertung (Claude): 9/10