Mad Men 2.11: „The Jet Set”
Diese Folge fühlt sich an wie ein halbwacher Traum. Don fährt nach Kalifornien, und für eine Weile verschwindet er einfach aus seinem eigenen Leben, aus der Serie, aus allem, was ihn ausmacht. Ich verstehe jeden, der diese Folge seltsam findet. Ich halte sie trotzdem für eine der mutigsten der Staffel.
Don und Pete sind in Los Angeles auf einer Luftfahrtkonferenz. Pete genießt die Sonne, Don wirkt fremd unter den Palmen. Am Hotelpool begegnet er einer jungen Frau namens Joy, hübsch, frei, unbekümmert. Sie fragt ihn, ob er nicht einfach mitkommen will, nach Palm Springs, zu ihren Freunden. Don lässt sein Meeting sausen und steigt in ihr Auto. Das ist der Moment, in dem Don Draper sich zum ersten Mal in der Serie einfach treiben lässt.
In Palm Springs landet er in einer Villa voller reicher Europäer, Adlige ohne festen Wohnsitz, die von Ort zu Ort ziehen, Sprachen wechseln, Identitäten wechseln, als wäre das nichts. Für einen Mann, dessen ganze Existenz auf einer gestohlenen Identität beruht, muss das wie eine Offenbarung wirken: Diese Leute machen ohne Scham, was er heimlich getan hat. Don bricht dort zusammen, sein Blutdruck, sein Körper streikt. Er wacht in einem fremden Bett auf und wird umsorgt wie ein Gast, von dem niemand wissen will, wer er ist.
Und dann taucht Joys Vater auf, mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau, die verblüffend an Sally und Bobby erinnern. Don liegt mit einer halbnackten Zwanzigjährigen am Pool, während ein Vater seine Kinder hereinführt. Die Folge kommentiert das nicht, sie zeigt es nur, und gerade deshalb sitzt es. Am Ende greift Don zum Telefon und meldet sich mit einem Namen, den wir lange nicht mehr gehört haben: Dick Whitman. Wen er anruft, verrät die Folge nicht. Wer die vorigen Folgen aufmerksam gesehen hat, ahnt es.
In New York laufen derweil zwei leisere Geschichten, die ich beide sehr mag. Kurt, einer der jungen Kreativen, lädt Peggy zu einem Bob-Dylan-Konzert ein. Peggy hält es für ein Date, bis Kurt ihr freundlich erklärt, dass er sich nicht für Frauen interessiert. Im Pausenraum hatte er sich davor schon vor den Kollegen geoutet, mit einer Selbstverständlichkeit, die alle sprachlos macht. Für Sal muss dieser Moment unerträglich gewesen sein. Kurt verpasst Peggy dann einen neuen Haarschnitt, und sie sieht zum ersten Mal aus wie jemand, der in die Sechziger gehört. Eine kleine, warme Geschichte über Freundschaft in einer Staffel, die sonst eher kalt ist.
Und Duck schmiedet einen Plan: Er trifft sich heimlich mit Vertretern einer britischen Agentur, die Interesse an Sterling Cooper haben. Ein Verkauf würde alles verändern, und Duck sieht sich schon an der Spitze. Dazu wird angedeutet, dass seine Nüchternheit ins Wanken gerät. Roger hat währenddessen nur Augen für Jane, die ihm Gedichte vorliest. Die Agentur wird gerade verhandelt, und die Partner merken es kaum.
Meine Einschätzung: Eine ungewöhnliche, fast entrückte Folge, die man mögen muss. Dons Zeit in Palm Springs ist atmosphärisch großartig und thematisch klug, auch wenn die Jetset-Figuren selbst ziemlich unerträglich sind, was wohl gewollt ist. Peggy und Kurt sind ein schöner Kontrast, Ducks Intrige bereitet das Finale vor. Abzüge gibt es für das Tempo: Der Palm-Springs-Teil zieht sich stellenweise, und wer nicht in der richtigen Stimmung ist, verliert hier den Faden.
Wertung (Claude): 8/10