Mad Men 2.8: „A Night to Remember”
Seit „The Gold Violin" weiß Betty Bescheid, aber sie hat noch nichts gesagt. Diese Folge ist die, in der das Wissen sie von innen auffrisst, und January Jones spielt das so, dass ich danach nie wieder über Betty als „die kühle Blondine" reden wollte.
Es beginnt mit einem Abendessen. Betty richtet für Dons Kollegen und Kunden eine Dinnerparty aus, Motto: einmal um die Welt, mit Gerichten aus verschiedenen Ländern. Dazu serviert sie holländisches Bier, Heineken. Erst im Lauf des Abends begreift sie, was passiert ist: Don hatte im Meeting vorhergesagt, dass eine Hausfrau wie Betty genau dieses Bier für eine solche Party kaufen würde, wenn man es nur richtig im Supermarkt platziert. Sie war das Testobjekt. Die Gäste lachen, Duck macht eine Bemerkung, und Betty steht mitten in ihrem eigenen Esszimmer und wird vorgeführt. Diese Demütigung ist der Funke.
In den Tagen danach durchsucht Betty das Haus nach Beweisen für Dons Affäre, Taschen, Schubladen, Anzüge. Sie findet nichts Eindeutiges, nur Kleinigkeiten, die alles und nichts bedeuten. Sie stellt Don zur Rede, er leugnet. Ganz ruhig, ganz überzeugend, so wie er alles leugnet. Und Betty, die weiß, dass er lügt, kann es nicht beweisen. In ihrer Wut zertrümmert sie einen Stuhl. Ich halte diese Szene für einen der wichtigsten Momente der Staffel: Zum ersten Mal sehen wir, wie viel Gewalt in dieser beherrschten Frau steckt.
Der entscheidende Moment kommt dann ganz nebenbei. Betty sitzt vor dem Fernseher, und es läuft ein Werbespot für Utz-Chips, mit Jimmy Barrett. Sie greift zum Telefon, ruft Don im Büro an und sagt ihm, er solle nicht nach Hause kommen. Keine Szene, kein Geschrei, nur dieser eine Satz. Am nächsten Morgen findet Sally ihre Mutter angezogen, verkatert und ausgelaugt im Bett. Und Don sitzt am Ende allein im Pausenraum der Agentur und trinkt ein Heineken. Ein besseres Schlussbild gibt es nicht: Er trinkt das Produkt, mit dem er seine Frau vorgeführt hat.
Die beiden Nebenstränge spiegeln das Thema klug. Joan springt bei Harry ein und liest Drehbücher von Seifenopern, um zu prüfen, ob sie für Werbekunden geeignet sind. Sie blüht auf, sie ist richtig gut darin, sie gewinnt sogar einen neuen Kunden. Ihr Verlobter findet, sie solle lieber zu Hause sitzen und Pralinen essen. Und am Ende stellt Harry einen jungen Mann für den Job ein und bittet Joan, ihm alles zu erklären. Joan lächelt und schluckt es. Eine Frau, die gerade herausgefunden hat, was sie kann, und sofort wieder zurückgeschickt wird.
Peggy dagegen wird von Father Gill überredet, für einen Kirchentanz zu werben. Sie findet einen Titel, „A Night to Remember", die älteren Damen des Komitees mögen ihn nicht, und Father Gill lässt sie im Stich. Dann bedrängt er sie in ihrem Büro, sich mit Gott zu versöhnen, ihre Sünden zu bekennen. Peggy weicht aus. Sie will keine Absolution, sie will einfach weitermachen. Mir ist dieser Strang ehrlich gesagt der schwächste der Staffel, Father Gill bleibt mir als Figur zu blass, und die Kirchenszenen bremsen jede Folge, in der sie vorkommen.
Meine Einschätzung: Eine Betty-Folge, und eine der besten. Die Dinnerparty, die Durchsuchung, der zertrümmerte Stuhl, der Anruf nach dem Werbespot, das ist eine perfekte Abfolge von Demütigung über Zweifel zu Entschluss. Joans Geschichte ist ein starkes, bitteres Echo darauf. Peggy und Father Gill ziehen die Folge dagegen nach unten, und gelegentlich spürt man, dass die Serie in dieser Staffel etwas deutlicher auf Dramatik setzt als sonst.
Wertung (Claude): 8,5/10