Mad Men 2.7: „The Gold Violin”
Ken Cosgrove hat eine Kurzgeschichte geschrieben, über eine Geige aus Gold, vollkommen in jeder Hinsicht, nur dass sie keine Musik machen kann. Das ist das Bild, um das diese Folge kreist, und man muss nicht lange suchen, um zu sehen, auf wen es passt: einen Mann mit perfektem Anzug, perfekter Frau, perfektem Haus und neuerdings einem perfekten Auto.
Don kauft einen Cadillac. Roger hat ihn dazu gedrängt, als Partner müsse man zeigen, dass man angekommen ist. Im Autohaus erinnert sich Don an früher, und wir bekommen eine Rückblende, die eine neue Figur ins Spiel bringt: Dick Whitman verkauft in den Fünfzigern Gebrauchtwagen, als eine Frau ihn aufsucht und ihm ins Gesicht sagt, er sei nicht Don Draper. Sie heißt Anna Draper. Wer sie genau ist, lässt die Folge noch offen, aber nach dem Buch, das Don in 2.1 an einen Unbekannten geschickt hat, ahnt man, dass hier eine der wichtigsten Beziehungen in Dons Leben beginnt. Ich mag, wie beiläufig das eingeführt wird.
Im Büro sorgt ein Gemälde für Aufregung. Bert Cooper hat sich einen teuren Rothko gekauft, und Dons neue Sekretärin Jane schleicht sich mit Ken, Sal und Harry in sein Büro, um ihn anzusehen. Für Jane und Harry sind es verschwommene Quadrate, Ken dagegen findet, so ein Bild müsse man erleben, nicht verstehen. Sal hört ihm hingerissen zu. Joan erfährt von dem Einbruch und feuert Jane. Doch Jane geht zu Roger, der ein Auge auf sie geworfen hat, und behält ihren Job. Joan muss zusehen, wie eine junge Frau ihr Spiel besser spielt als sie selbst. Das ist der Moment, in dem Joans Macht im Büro zum ersten Mal Risse bekommt.
Für mich das heimliche Herz der Folge: Sal. Ken bittet ihn, seine Geschichte zu lesen, und Sal lädt ihn zum Abendessen ein, mit seiner Frau Kitty. Sal kocht, strahlt, hängt an Kens Lippen. Kitty sitzt daneben und fragt irgendwann, ob er sie überhaupt sieht. Als Ken gegangen ist, hält Sal das Feuerzeug, das Ken liegen gelassen hat, wie einen Schatz in der Hand. Das ist so zärtlich und so traurig gespielt, dass es mir mehr bedeutet als der ganze Rest der Folge.
Und Betty. Die Drapers machen mit den Kindern ein Picknick im neuen Cadillac-Glanz, und als sie aufbrechen, schüttelt Betty die Decke aus und lässt den ganzen Müll einfach im Gras liegen. Ein beiläufiges Bild für eine Familie, die alles hat und nichts bemerkt. Später gehen Don und Betty auf eine Party, um Jimmy Barretts neue Fernsehshow zu feiern. Jimmy setzt sich zu Betty und erzählt ihr, ohne Umschweife, dass Don mit seiner Frau Bobbie geschlafen hat. Dann geht er zu Don und sagt ihm ins Gesicht, was er von ihm hält. Betty sagt den ganzen Abend nichts. Erst auf der Heimfahrt, im neuen Cadillac, übergibt sie sich. Das ist ihre einzige Reaktion. Ein besseres Bild für das, was dieses Auto bedeutet, hätte man nicht finden können.
Meine Einschätzung: Eine Folge mit einem schönen, klaren Bild im Zentrum, der goldenen Geige, und mehreren Figuren, die dazu passen. Sals Abendessen ist für mich der stärkste Moment, Jimmys Enthüllung an Betty der wichtigste. Der Rothko-Strang hat dagegen etwas Sitcomhaftes, das Hereinschleichen in Coopers Büro wirkt wie ein Streich aus einer anderen Serie, und die Müllszene beim Picknick ist mir als Symbol zu dick aufgetragen. Trotzdem eine Folge, die viel vorbereitet.
Wertung (Claude): 8/10