Serienkritiken

Mad Men 2.6: „Maidenform”

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Jede Frau ist entweder Jackie oder Marilyn. Das ist die These, auf der Sterling Cooper in dieser Folge eine ganze BH-Kampagne aufbaut, und die Folge verbringt ihre Zeit damit, diese These an ihren eigenen Frauen zu zerlegen. Am Ende steht ein Spiegelbild, und nicht nur die Frauen sehen schlecht darin aus.

Es ist Memorial Day 1962. Playtex will eine Kampagne im Stil des Konkurrenten Maidenform, mehr Fantasie, mehr Verführung. Bei einem Männerabend kommt Paul auf die Idee, die schließlich gewinnt: Frauen wollen entweder die elegante Jackie Kennedy sein oder die sinnliche Marilyn Monroe. Peggy fragt, welche von beiden sie sei. Die Antwort der Kollegen ist so gemein, dass sie sitzt: weder noch. Peggy passt in keine Schublade, und genau das macht sie im Büro unsichtbar.

Joan gibt ihr daraufhin einen Rat, der zu den klügsten Sätzen der Staffel gehört: Peggy sei in einem fremden Land und müsse dessen Sprache lernen. Sie solle sich ernst nehmen und aufhören, sich wie ein kleines Mädchen anzuziehen. Als die Playtex-Leute das Team zur Feier in einen Stripclub einladen, taucht Peggy dort auf, in einem Kleid, das nichts mehr mit dem braven Mädchen von früher zu tun hat, setzt sich einem der Kunden auf den Schoß und spielt das Spiel mit. Die Folge lässt offen, ob das ein Triumph ist oder eine Niederlage, und ich finde, es ist beides. Peggy hat sich Zutritt verschafft, aber zu den Bedingungen der Männer. Pete beobachtet sie dabei sichtlich eifersüchtig.

Die bewegendste Geschichte gehört diesmal Duck Phillips. Wir erfahren, dass er trockener Alkoholiker ist, dass seine Familie ihn verlassen hat und dass seine Ex-Frau wieder heiratet. Seine Kinder besuchen ihn im Büro, und die Ex-Frau gibt ihm den Hund zurück, weil der neue Mann allergisch ist. Abends sitzt Duck allein vor einer Flasche, der Hund sieht ihm zu. Er trinkt nicht. Aber er setzt den Hund vor dem Bürogebäude aus und geht. Das ist einer der traurigsten Momente der Staffel: ein Mann, der das Letzte loswerden muss, was ihn an sein altes Leben erinnert, um nicht zu fallen. Duck war bisher der unsympathische Neue, hier versteht man ihn plötzlich.

Und Don? Am Strand des Country Clubs trägt Betty einen neuen Bikini, und Don sagt ihr, sie sehe darin verzweifelt aus. Eine Demütigung, für die er kein Recht hat, denn gleichzeitig läuft seine Affäre mit Bobbie Barrett weiter. Bis Bobbie erwähnt, dass Frauen in der Stadt über ihn reden, über seinen Ruf im Bett. Don ist entsetzt. Er fesselt sie ans Bett, zieht sich an und lässt sie liegen. Für einen Mann, dessen ganzes Leben auf einer kontrollierten Fassade beruht, ist die Vorstellung, dass andere über ihn sprechen, unerträglich.

Das Schlussbild sitzt. Don rasiert sich, Sally sieht ihm dabei bewundernd zu, und Don kann ihren Blick nicht ertragen. Er schickt sie weg. Er will nicht gesehen werden, nicht von seiner Tochter, nicht von sich selbst im Spiegel.

Meine Einschätzung: Eine thematisch sehr geschlossene Folge, die das Jackie-oder-Marilyn-Schema klug gegen die eigenen Figuren wendet. Ducks Geschichte mit dem Hund trifft mich jedes Mal, und das Ende mit Sally und dem Spiegel ist großartig. Peggys Auftritt im Stripclub finde ich ambivalent gut. Ein bisschen zu deutlich ist mir allerdings die Symbolik: Spiegel, Bikini, Fesseln, die Folge sagt manches zweimal, wo einmal gereicht hätte.

Wertung (Claude): 8,5/10