Mad Men 2.5: „The New Girl”
Der Titel führt in die Irre, und das mit Absicht. Die „neue Frau", Dons neue Sekretärin Jane, taucht zwar auf, spielt aber kaum eine Rolle. Die eigentliche Hauptfigur dieser Folge ist Peggy, und am Ende verstehen wir endlich, was in den fünfzehn Monaten zwischen den Staffeln mit ihr passiert ist. Es ist eine der Folgen, nach denen ich die Serie mit anderen Augen gesehen habe.
Den Anstoß gibt ein Unfall. Don und Bobbie Barrett, inzwischen in einer handfesten Affäre, essen zusammen im Sardi’s, wo Don ausgerechnet Rachel Menken begegnet, die inzwischen verheiratet ist. Danach fahren die beiden betrunken Richtung Long Island, Bobbie küsst ihn am Steuer, und Don setzt den Wagen gegen einen Baum. Er wird festgenommen. Und wen ruft er an, mitten in der Nacht, um ihn auszulösen? Nicht seine Frau, nicht Roger. Peggy.
Peggy kommt, zahlt die Kaution, und nimmt Bobbie, die mit einem blauen Auge nicht nach Hause kann, ein paar Tage bei sich auf. Die Szenen zwischen den beiden Frauen sind für mich das Herz der Folge. Bobbie, eine Frau, die sich in einer Männerwelt durchgesetzt hat, gibt Peggy Ratschläge: Sie solle sich nicht wie eine Sekretärin benehmen, sondern wie die Person, die sie sein will. Peggy hört zu, und man merkt, dass sie das ernst nimmt. Aber als Bobbie versucht, Peggy über Don auszufragen, macht Peggy klar, dass sie keine Konkurrenz ist. Sie lässt sich von dieser Frau nicht in Dons Privatleben hineinziehen, und sie merkt sich trotzdem jeden Satz.
Dazwischen geschnitten sind Rückblenden, und die haben es in sich. Wir sehen Peggy kurz nach der Geburt in einer Klinik, verstört, offenbar mit einem Zusammenbruch. Ihre Mutter und ihre schwangere Schwester besuchen sie. Und dann kommt Don, ausgerechnet Don, und setzt sich an ihr Bett. Er fragt, was mit ihr los ist, sie weiß es nicht. Er rät ihr, alles zu tun, was die Ärzte sagen, um herauszukommen, und dann weiterzumachen, als wäre nichts gewesen. Es werde sie schockieren, sagt er, wie sehr es nie passiert ist.
Diese Szene ist für mich der Schlüssel zu Peggy und zu Don gleichermaßen. Don gibt ihr genau den Rat, nach dem er selbst lebt: Vergangenheit abstreifen, neu anfangen, nicht zurückschauen. Es ist ein liebevoller Rat und ein gefährlicher. Und jetzt verstehen wir auch, warum Peggy in dieser Nacht keine Fragen stellt, sondern einfach kommt. Sie schuldet ihm etwas, und er weiß es.
Am Ende der Folge zahlt Don ihr einen Teil des Geldes zurück, und Peggy sagt zum ersten Mal einfach „Don" zu ihm, nicht „Mr. Draper". Ein winziger Moment, aber er verändert das Verhältnis der beiden. Sie sind jetzt Komplizen.
Daneben gibt es Kleinigkeiten, die die Folge auflockern: Joan sucht die perfekte Sekretärin für Don und findet sie in Jane, jung, hübsch und, wie sich noch zeigen wird, nicht ganz so harmlos. Und Don erklärt Betty den Unfall mit seinen Blutdrucktabletten und ein paar Drinks. Betty glaubt es halb, und das reicht ihr.
Meine Einschätzung: Eine der besten Folgen der zweiten Staffel. Die Rückblenden in die Klinik geben Peggy endlich die Tiefe, die ihr in den ersten Folgen der Staffel gefehlt hat, und die Szene mit Don am Krankenbett erklärt eine ganze Beziehung in zwei Minuten. Die Gespräche zwischen Peggy und Bobbie sind wunderbar geschrieben. Schwächer finde ich nur den Unfall selbst, der etwas zu sehr nach Fernsehdrama aussieht, und Rachels Kurzauftritt, der mehr Fan-Service als Geschichte ist.
Wertung (Claude): 9/10