Mad Men 2.4: „Three Sundays”
Drei Sonntage, drei kirchliche Feiertage, und eine Folge, die sich dafür viel Zeit nimmt: Passionssonntag, Palmsonntag, Ostern. „Three Sundays" ist keine laute Folge, aber eine, in der sich unter der Oberfläche mehr bewegt, als man beim ersten Sehen bemerkt. Und sie enthält das wohl ehrlichste Gespräch, das Don und Betty bis dahin geführt haben.
Der beruflich wichtigste Strang ist eigentlich der unwichtigste. Sterling Cooper bereitet fieberhaft den Pitch für American Airlines vor, für den man in „Flight 1" Mohawk geopfert hat. Der Termin wird vorgezogen, Don muss am Sonntag ins Büro, alle schuften. Don dreht die Kampagne in eine neue Richtung, weg vom Absturz, hin zur Zukunft. Und dann stellt sich heraus, dass der Kontaktmann bei American gefeuert wurde. Man präsentiert trotzdem, chancenlos. Don macht Duck Vorwürfe, Roger verteidigt den Reiz der Jagd. Für mich die eigentliche Pointe: Mohawk wurde für nichts verraten. Die Serie macht daraus kein Drama, sie lässt es einfach stehen.
Viel spannender ist, was zu Hause passiert. Don und Betty wollten einen freien Sonntag zusammen verbringen, daraus wird nichts. Bobby verbrennt sich am Herd, Betty fährt mit ihm ins Krankenhaus, und Don nimmt Sally mit ins Büro. Sally streift durch die Agentur, schnappt Gespräche der Erwachsenen auf und trinkt heimlich Alkohol. Don bemerkt es und sagt nichts. Eine kleine, beiläufige Szene, die mir mehr Unbehagen bereitet als manches große Drama.
Am Abend eskaliert ein Streit über Bobby. Der Junge hat etwas angestellt, und Betty verlangt, dass Don ihn schlägt. Don weigert sich, die Situation wird hässlich, auch Don wird Betty gegenüber handgreiflich. Später erzählt er ihr dann, ruhig und fast beiläufig, wie sein eigener Vater ihn geschlagen hat, und dass er nicht so werden will. Betty versteht und sagt nichts, aber man sieht, dass sie ihm in diesem Moment näher ist als in der ganzen ersten Staffel. Für mich die beste Szene der Folge: Don gibt etwas Echtes von sich preis, ausgerechnet an die Frau, der er sonst alles verschweigt. Dass er kurz vorher selbst die Beherrschung verloren hat, macht das Ganze umso bitterer.
Roger hat inzwischen seinen eigenen Weg, mit dem Alter umzugehen. Seine Tochter will heiraten und lässt sich die große Hochzeit nicht aufzwingen, Roger fühlt sich übergangen. Er findet Trost bei Vicky, einem Callgirl, und bezahlt extra dafür, dass es sich wie Romantik anfühlt. Später lädt er sie ins Lutèce ein, eines der besten Restaurants der Stadt. Ein alternder Mann, der sich Zuneigung kauft, und es selbst halb glaubt. Traurig und ein bisschen lächerlich, genau wie Roger.
Und Peggy lernt Father Gill kennen, einen jungen, modernen Priester, gespielt von Colin Hanks. Er bittet sie um Rat für seine Predigt, weil sie ja in der Werbung arbeitet, und die beiden verstehen sich auffallend gut. Peggys Schwester Anita wird eifersüchtig und beichtet Father Gill, dass Peggy ein uneheliches Kind hat. Beim Ostereiersuchen dankt er Peggy für ihre Hilfe und drückt ihr ein Ei in die Hand, für „den Kleinen". Peggy erstarrt. Ein leiser, aber sehr wirkungsvoller Schluss: Die eine Person, die sie für einen Moment als Peggy, die Texterin, gesehen hat, kennt jetzt ihr Geheimnis.
Meine Einschätzung: Eine leise Folge, die auf den zweiten Blick sehr viel erzählt. Das Gespräch zwischen Don und Betty über Gewalt in der Kindheit gehört zu den stärksten Momenten der Staffel, und Peggys Begegnung mit Father Gill eröffnet einen interessanten Strang. Die American-Airlines-Geschichte endet dagegen so antiklimaktisch, dass sie fast verschwendet wirkt, und Rogers Callgirl-Episode ist mehr Fußnote als Geschichte. Trotzdem: eine reife, unaufgeregte Folge.
Wertung (Claude): 8/10