Mad Men 2.3: „The Benefactor”
Diese Folge enthält einen Moment, bei dem ich jedes Mal kurz die Luft anhalte, und ich bin bis heute nicht sicher, ob ich ihn großartig oder einfach nur abstoßend finde. Wahrscheinlich beides.
Sterling Cooper dreht einen Werbespot für Utz-Kartoffelchips mit Jimmy Barrett, einem Komiker, dessen ganze Masche aus Beleidigungen besteht. Am Set beleidigt er die Frau des Firmenchefs wegen ihres Gewichts, vor allen Leuten. Die Kunden sind empört, die Kampagne droht zu platzen. Und Don ist nicht da, er sitzt mitten am Tag allein in einem Kino und schaut einen französischen Kunstfilm. Das sagt viel über seinen Zustand in dieser Staffel: Er ist da, aber nicht anwesend.
Als er zurückkommt, regelt er die Sache auf seine Art. Er geht zu Bobbie Barrett, Jimmys Frau und Managerin, einer Frau, die mindestens so hart verhandelt wie er. Die beiden belauern sich, und dann schiebt Don ihr die Hand unter den Rock und erklärt ihr ruhig, er werde ihren Mann ruinieren, wenn sie nicht tut, was er sagt. Sie tut es. Das ist kein Flirt, das ist ein Machtakt, und die Serie inszeniert ihn ohne jede Distanz. Ich finde es richtig, dass Mad Men uns diesen Don zeigt, ohne ihn zu entschuldigen. Aber es ist der Moment, in dem der charmante Don aus Staffel 1 endgültig zu jemandem wird, dem ich nicht mehr gern zusehe.
Danach gibt es ein Versöhnungsessen mit den Utz-Leuten, und Don bringt Betty mit. Sie ist hinreißend, charmant, genau die Frau, die man an diesem Tisch braucht, und Jimmy entschuldigt sich. Auf der Heimfahrt sagt Don ihr, sie seien ein gutes Team, und Betty weint. Vor Rührung, vor Erleichterung, vielleicht auch, weil sie spürt, dass sie hier vor allem als Werkzeug gebraucht wurde. Diese Szene im Auto finde ich herzzerreißend, gerade wenn man weiß, was Don ein paar Stunden vorher getan hat.
Der unterhaltsamste Strang gehört Harry Crane, bisher eher eine Randfigur mit Brille. Er öffnet versehentlich Kens Gehaltsscheck und stellt fest, dass der Kollege mehr verdient als er. Statt sich nur zu ärgern, wird er aktiv: Er sieht im Fernsehen ein Geschäftsfeld, das noch niemand in der Agentur ernst nimmt, und als ein Sponsor eine Folge der Serie „The Defenders" fallen lässt, weil sie von einer Abtreibung handelt, findet Harry einen neuen Werbekunden für den freien Platz. Er bekommt eine Gehaltserhöhung und wird Chef einer eigenen Fernsehabteilung, die eigentlich nur aus ihm besteht. Seiner schwangeren Frau verschweigt er sorgsam, worum es in der Folge geht. Harry ist hier zum ersten Mal mehr als eine Witzfigur, und das gefällt mir.
Und Betty hat beim Reiten einen Verehrer, Arthur, der sie mit Komplimenten überschüttet. Sie genießt es und weist ihn zugleich zurück. Ein kleiner Strang, der eher Stimmung als Handlung ist.
Meine Einschätzung: Eine Folge mit starken Einzelszenen und einem Problem in der Mitte: Jimmy Barrett ist als Figur unterhaltsam, aber seine Witze nutzen sich schnell ab, und die Utz-Geschichte wirkt wie ein Vorwand für Dons Begegnung mit Bobbie. Diese Begegnung selbst ist das Wichtigste und Unangenehmste der Folge, und sie wirft einen Schatten auf alles danach. Harrys Aufstieg ist ein netter Gegenpol, die Szene mit Betty im Auto der emotionale Höhepunkt. Nicht die stärkste Folge, aber eine, die man nicht vergisst.
Wertung (Claude): 7,5/10