Serienkritiken

Mad Men 2.1: „For Those Who Think Young”

Lesestand

Zwischen dem Ende der ersten Staffel und dem Anfang der zweiten liegen fünfzehn Monate, und Mad Men macht etwas Ungewöhnliches: Die Serie erklärt sie nicht. Wir landen am Valentinstag 1962, und alle haben sich verändert, aber niemand sagt uns, wie das passiert ist. Wo ist Peggys Kind? Wie haben Don und Betty die Thanksgiving-Krise überstanden? Die Folge schweigt dazu, und ich finde das gleichzeitig mutig und ein bisschen frustrierend.

Don beginnt die Staffel beim Arzt. Zu hoher Blutdruck, weniger trinken, weniger rauchen. Der Mann, der in Staffel 1 unverwundbar wirkte, bekommt einen Körper. Und das Thema der Folge steckt schon im Titel: Jugend. Duck Phillips, der neue Chef der Kundenbetreuung, drängt Roger, junge Kreative einzustellen, weil die Kunden jüngere Konsumenten erreichen wollen. Dons Team bekommt Angst um die Jobs, Don hält erst dagegen und stellt dann doch zwei junge Leute ein. Die Zeit, die in Staffel 1 noch im Hintergrund vorbeizog, klopft jetzt an die Bürotür.

Die schönste Szene der Folge ist für mich eine kleine. Don sitzt mittags in einer Bar, und neben ihm liest ein junger Mann einen Gedichtband von Frank O’Hara, „Meditations in an Emergency". Don fragt, ob es gut sei, und der junge Mann meint herablassend, Don würde es wahrscheinlich nicht mögen. Don kauft das Buch trotzdem. Später liest er daraus vor, und am Ende der Folge schickt er es mit einer kurzen Notiz an jemanden, dessen Namen wir nicht erfahren. Für mich das stärkste Signal der Folge: Don hat Seiten, von denen nicht einmal wir etwas wissen.

Peggy ist zurück, schlanker, nach einer dreimonatigen „Auszeit", über die niemand redet. Sie hat sich verändert, und nicht nur zum Guten: Sie behandelt Dons neue Sekretärin Lois so herablassend, wie sie selbst früher behandelt wurde. Joan revanchiert sich auf ihre Weise und stellt den neuen Kopierer in Peggys Büro, ein laut ratterndes Ungetüm. Ein köstlicher kleiner Machtkampf. Bei der Arbeit an einer Kampagne für Mohawk Airlines entwickelt Peggy aber einen Slogan, der aus Sallys Valentinskarte für Don entsteht, und man merkt: Sie ist inzwischen richtig gut.

Betty hat sich ebenfalls verändert. Sie reitet jetzt, wirkt souveräner, kühler, fast herrisch. Der Valentinsabend im Hotel geht allerdings schief: Erst begegnen sie Bettys früherer Mitbewohnerin, die Don für ein Callgirl hält, dann klappt es im Bett nicht. Die beiden schauen stattdessen Jackie Kennedys Führung durchs Weiße Haus im Fernsehen, wie gleichzeitig die halbe Stadt. Und als Bettys Auto liegen bleibt, flirtet sie mit dem Mechaniker, damit die Reparatur billiger wird und Don nichts merkt. Dann lügt sie ihn an. Betty hat in den fünfzehn Monaten offenbar auch gelernt, Geheimnisse zu haben.

Am Rand: Pete und Trudy versuchen vergeblich, ein Kind zu bekommen. Pete isst abends allein die Pralinen, die er für Trudy gekauft hatte. Wenn man weiß, was Pete nicht weiß, nämlich dass er längst Vater ist, bekommt dieser kleine Moment etwas Grausames.

Meine Einschätzung: Ein ruhiger, fast zurückhaltender Staffelauftakt, der lieber Fragen stellt als beantwortet. Die O’Hara-Szenen sind wunderbar, Peggys neue Härte ist interessant, Betty wirkt endlich wie eine eigenständige Figur. Was mir fehlt: Nach dem Paukenschlag der ersten Staffel passiert hier wenig, und das Thema Jugend gegen Alter wird ein bisschen sehr deutlich durchbuchstabiert, bis hin zu Don, der in einem Aufzug einem jungen Rüpel den Hut vom Kopf nimmt. Ein guter Anfang, aber noch kein großer.

Wertung (Claude): 8/10