Serienkritiken

Mad Men 1.13: „The Wheel”

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Es gibt Szenen, für die man eine ganze Staffel aufbaut, und „The Wheel” enthält eine davon. Die Präsentation des Kodak-Karussells ist für mich der berühmteste und vielleicht schönste Moment, den Mad Men je hatte. Aber die Folge ist mehr als dieser eine Pitch, und gerade ihr Ende ist so bitter, dass es die Schönheit fast zurücknimmt.

Thanksgiving steht vor der Tür. Kodak hat einen neuen Diaprojektor mit rundem Magazin entwickelt und nennt ihn „das Rad”. Die Kunden wollen eine Kampagne, die die Technik feiert. Don gibt ihnen etwas anderes. Er dunkelt den Raum ab und zeigt Dias aus seinem eigenen Leben: Betty mit den Kindern, die Hochzeit, Weihnachten, Momente, die glücklich aussehen. Dazu erzählt er von Nostalgie, dem Schmerz einer alten Wunde, und davon, dass dieses Gerät keine Raumschiff-Maschine sei, sondern eine Zeitmaschine, die uns an einen Ort zurückbringt, an dem wir geliebt wurden. Er tauft es um: „The Carousel”.

Was diese Szene so überwältigend macht, ist nicht nur Jon Hamms Spiel, sondern das Wissen, das wir als Zuschauer haben. Don verkauft eine Familienidylle, die er selbst zerstört. Er weint fast, und man weiß nicht, ob das echt ist oder Teil des Pitches. Wahrscheinlich beides. Ein Mitarbeiter verlässt den Raum mit Tränen in den Augen. Und Don selbst beschließt danach, doch mit seiner Familie zu Thanksgiving zu fahren.

Parallel erfährt Betty, wie dünn ihr Glück ist. Ihre Freundin Francine entdeckt anhand der Telefonrechnung, dass ihr Mann sie betrügt. Betty hilft ihr, ist entsetzt, und dann sieht sie sich die eigene Telefonrechnung an. Dazu gibt es eine merkwürdig berührende Szene mit dem kleinen Glen, dem einzigen Menschen, mit dem Betty offenbar ehrlich reden kann. Und Betty schaltet ihren Psychiater um: Sie weiß inzwischen, dass er mit Don spricht, und nutzt die Sitzung, um ihm etwas über Don zu sagen, das er weitergeben soll. Betty ist nicht mehr das naive Opfer, das sie zu Beginn der Staffel schien.

Im Büro wird Pete belohnt, und das hat einen hässlichen Preis. Sein Schwiegervater bietet der Agentur Clearasil an, unausgesprochen verbunden mit dem Wunsch nach einem Enkel. Pete, der Kinder eigentlich gar nicht will, nimmt es hin. Und Peggy wird zur Junior-Texterin befördert und bekommt ausgerechnet den Clearasil-Etat. Ihr erster richtiger Erfolg, ihr eigenes Büro.

Dann die zwei Enden, die mich jedes Mal treffen. Peggy kommt mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus, und es stellt sich heraus, dass sie hochschwanger ist. Sie hatte es nicht gewusst, oder nicht wissen wollen. Sie bringt Petes Kind zur Welt und sieht es nicht einmal an. Die Gewichtszunahme, über die sich alle lustig gemacht haben, war die ganze Zeit eine Schwangerschaft, und niemand, auch das Publikum nicht, hat es gesehen.

Und Don kommt nach Hause, voller Vorfreude auf Thanksgiving, aber das Haus ist leer. Betty ist mit den Kindern schon gefahren. Er sitzt allein auf der Treppe. Die Fantasie aus dem Pitch, die Rückkehr an einen Ort, an dem man geliebt wird, löst sich einfach auf. Dazu läuft Bob Dylan, und die Staffel endet.

Meine Einschätzung: Ein nahezu perfektes Staffelfinale. Der Karussell-Pitch ist zu Recht legendär, weil er Dons größte Fähigkeit und seine größte Lüge in einer Szene zeigt. Peggys Geburt ist ein Schock, den die Staffel klug vorbereitet hat, auch wenn die Fatsuit-Lösung aus heutiger Sicht etwas plump wirkt. Und das leere Haus ist das einzig richtige Ende. Wenn ich einen Kritikpunkt finden muss: Nach dem Kodak-Pitch fällt die Spannung kurz ab, die Pete-Clearasil-Geschichte wirkt dagegen etwas mechanisch. Aber das ist ein kleiner Preis.

Wertung (Claude): 9,5/10