Mad Men 1.4: „New Amsterdam”
Nach drei Folgen war Pete Campbell für mich vor allem eines: der Typ, den man nicht leiden kann. Schleimig, neidisch, übergriffig. „New Amsterdam” ist die Folge, die das ändert, nicht indem sie Pete sympathisch macht, sondern indem sie zeigt, woher er kommt. Und das ist eine der klügsten Entscheidungen der ersten Staffel.
Trudy, Petes junge Frau, taucht unangemeldet im Büro auf und schleppt ihn zu einer großen Wohnung an der Upper East Side, die sie unbedingt haben will. Pete kann sie sich nicht leisten. Trudy schlägt vor, ihren Vater um die Anzahlung zu bitten, Pete lehnt ab. Also fährt er zu seinen eigenen Eltern, alter New Yorker Geldadel, und bittet seinen Vater. Was folgt, ist eine der traurigsten Szenen der Staffel: Der Vater verachtet Petes Beruf, seine Frau, sogar die Gegend, in der sie wohnen wollen, und sagt nein. Plötzlich versteht man, warum Pete so verzweifelt nach Anerkennung giert. Er bekommt sie zu Hause einfach nicht.
Trudy fragt dann doch ihren eigenen Vater, gegen Petes ausdrücklichen Wunsch, und der sagt stolz und großzügig ja. Pete ist gedemütigt, Trudy merkt es nicht einmal. Das ist das Bittere: Er bekommt, was er wollte, und es fühlt sich an wie eine Niederlage.
Im Büro läuft es parallel. Bethlehem Steel lehnt Dons erste Idee ab, Don gibt Pete die Schuld. Pete trifft sich daraufhin abends allein mit dem Kunden und pitcht eine eigene Idee, ohne Rücksprache. Der Kunde ist begeistert, Don ist außer sich und feuert ihn. Und dann kommt die eigentliche Pointe der Folge: Bert Cooper erklärt Don und Roger, dass Pete nicht gefeuert werden kann. Seine Familie, die Dyckmans, gehört zum alten Knickerbocker-Adel New Yorks, und diese Verbindungen sind für die Agentur zu wertvoll. Der Vater, der Pete gerade abgewiesen hat, rettet ihm also über seinen Namen den Job, ohne es zu wissen.
Don und Roger erzählen Pete daraufhin eine Lüge: Roger und Bert hätten ihn loswerden wollen, nur Don habe für eine zweite Chance gekämpft. Pete bedankt sich unterwürfig. Ich finde diese Szene großartig, weil sie so viel über die Agentur sagt. Loyalität wird hier nicht verdient, sie wird hergestellt, wie eine Werbekampagne.
Nebenher bahnt sich in der Vorstadt eine zarte Freundschaft zwischen Betty und Helen Bishop an, nachdem Betty ihr hilft, dem Ex-Mann aus dem Weg zu gehen. Betty passt abends auf Helens Kinder auf, während Helen für Kennedys Wahlkampf arbeitet. Dabei kommt es zu der berühmt-schrägen Szene mit Glen, Helens kleinem Sohn: Er platzt absichtlich ins Badezimmer, als Betty dort ist, und bittet sie später um eine Haarlocke. Betty gibt sie ihm. Eine Szene, über die man lange rätseln kann, und eine Figur, die die Serie noch über Jahre begleiten wird.
Das Schlussbild gehört wieder Pete. Bei der Besichtigung der neuen Wohnung erzählt eine Nachbarin, wie beeindruckt sie von seiner vornehmen Familie sei, von der Trudy ihr erzählt hat. Pete steht am Fenster und starrt hinaus. Der Name, der ihm alles öffnet, ist genau der, der ihn nie ernst nimmt.
Meine Einschätzung: Eine stille, aber sehr starke Folge. Sie schafft es, Pete zu einer tragischen Figur zu machen, ohne ihn zu entschuldigen, und zeigt nebenbei, dass bei Sterling Cooper Herkunft mehr zählt als Talent, was angesichts von Dons eigener erfundener Herkunft eine bittere Ironie hat. Der Glen-Strang ist irritierend und für mich etwas zu bewusst verstörend inszeniert, aber er bleibt im Kopf.
Wertung (Claude): 8/10
Sources:
New Amsterdam (Mad Men) – Wikipedia