Mad Men 1.3: „Marriage of Figaro”
Wenn „Ladies Room” das Fundament gelegt hat, dann ist „Marriage of Figaro” die erste Folge, in der Mad Men zeigt, wie weh es tun kann. Und sie beginnt mit einem Satz, der alles ins Wanken bringt.
Im Pendlerzug spricht ein Mann Don an, freudig, wie einen alten Kameraden aus dem Koreakrieg. Er nennt ihn „Dick Whitman”. Don lächelt, macht vage Pläne für ein Wiedersehen und korrigiert den Namen mit keinem Wort. Eine Szene von vielleicht einer Minute, aber sie ist der Moment, in dem die Serie ihr großes Geheimnis offen auf den Tisch legt: Don Draper ist nicht Don Draper. Wie elegant das gemacht ist, ohne Musik, ohne Dramatik, einfach im Gedränge eines Zuges, finde ich bis heute meisterhaft.
Im Büro ist Pete zurück aus den Flitterwochen und wird mit einem albernen Streich empfangen, inklusive lebender Hühner in seinem Büro. Die Kollegen wollen schmutzige Details hören, Pete verweigert sie und gibt sich als zufriedener, treuer Ehemann. Mit Peggy vereinbart er, so zu tun, als wäre zwischen ihnen nichts gewesen. Dazu eine schöne Nebenszene: Die Kreativen diskutieren die revolutionäre VW-Kampagne „Think Small” von Doyle Dane Bernbach. Don kann damit wenig anfangen, Pete findet sie brillant. Ein kleiner Hinweis, dass die Zeit an Sterling Cooper vorbeizieht und ausgerechnet der unsympathische Pete das spürt.
Der emotionale Kern der ersten Hälfte gehört Don und Rachel Menken. Er besichtigt das Kaufhaus ihrer Familie, sie zeigt ihm auf dem Dach die Wachhunde und erzählt, dass ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Zwei Menschen, die beide ohne Mutter aufgewachsen sind, und Don küsst sie spontan. Dann gesteht er, dass er verheiratet ist. Rachel reagiert mit einer Würde, die ich großartig finde: Sie will, dass jemand anderes ihren Etat bei der Agentur übernimmt. Keine Szene, kein Drama, eine klare Grenze.
Die zweite Hälfte spielt in der Vorstadt, auf Sallys Geburtstagsparty, und hier wird die Folge richtig gut. Don baut morgens ein Spielhaus zusammen und trinkt den ganzen Tag. Die Hausfrauen schneiden Helen Bishop, die Geschiedene, unterstellen ihr Promiskuität und finden sogar ihre Spaziergänge verdächtig. Die Ehemänner starren sie an, und Francines Mann Carlton versucht es sogar bei ihr. Die ganze Doppelmoral dieser Welt in einem Garten.
Don filmt die Party mit einer Handkamera und fängt dabei ein Paar ein, das sich zärtlich nahe ist. Man sieht ihm an, dass ihn das trifft, als würde er etwas beobachten, das er selbst nie haben wird. Als Betty ihn mit Helen reden sieht, schickt sie ihn schnell los, um die Torte zu holen. Don holt sie, fährt am Haus vorbei und kommt nicht zurück. Betty steht gedemütigt vor den Nachbarn. Spät in der Nacht taucht er wieder auf, mit einem Hund als Geschenk für Sally. Die Kinder sind selig, Betty weiß nicht, ob sie erleichtert oder wütend sein soll.
Meine Einschätzung: Für mich die erste wirklich große Folge der Serie. Der Zug, das Dach, die Party, das sind drei Situationen, in denen Don jeweils an seiner eigenen Lüge scheitert, und die Folge kommentiert das nie, sie zeigt es nur. Das Ende mit dem Hund ist typisch Don: Er flieht, und wenn er zurückkommt, kauft er sich mit einer großen Geste frei. Schwächen sehe ich kaum, höchstens dass der Büro-Teil mit Pete im Vergleich etwas leicht wirkt.
Wertung (Claude): 8,5/10
Sources:
Marriage of Figaro (Mad Men) – Wikipedia