Mad Men 1.2: „Ladies Room”
Bei IMDb gilt diese Folge als die schwächste der ganzen Serie. Ich halte das für ein Missverständnis. „Ladies Room” ist die Folge, in der Mad Men dem Publikum klarmacht, welche Art von Serie es wirklich ist, und wer danach noch dabei ist, wird belohnt.
Nach dem Pilot mit seinem großen Finale passiert hier scheinbar wenig. Don und Betty essen mit Roger Sterling und dessen Frau Mona. Alle schwelgen in Erinnerungen an ihre wohlhabende Kindheit, nur Don weicht aus, lenkt ab, sagt nichts. Später erklärt er Betty, er halte Stolz für eine Sünde. Eine elegante Ausrede, und der erste deutliche Riss in der Fassade.
Die eigentliche Hauptfigur dieser Folge ist für mich Betty. Im Pilot war sie nur die Pointe, die Ehefrau im letzten Bild. Hier bekommt sie ein Innenleben, und es ist bedrückend: Ihre Mutter ist kürzlich gestorben, ihr werden immer wieder die Hände taub, die Ärzte finden nichts Körperliches. Der Rat lautet Psychoanalyse. Don hält das für Schwäche, lässt sich aber darauf ein. Gleichzeitig zieht eine geschiedene Frau, Helen Bishop, in die Straße, und Betty und ihre Freundin Francine tratschen über sie, als wäre eine Scheidung ansteckend. Man spürt, wie eng diese Vorstadtwelt ist.
Im Büro geht es weniger subtil zu. Pete ist in den Flitterwochen, und die Kollegen Ken und Paul machen sich nacheinander an Peggy heran. Als sie beide abweist, fragt Paul allen Ernstes, ob sie schon „jemandem gehöre”. Joan, die sich in diesem System eingerichtet hat, rät Peggy nur, die Aufmerksamkeit zu genießen, solange sie anhält. Das ist der vielleicht traurigste Satz der Folge, weil Joan ihn ernst meint.
Der Werbestrang um ein Deo-Spray für Gillette ist der schwächste Teil. Die Frage „Was wollen Frauen?” wird so offensichtlich als Thema der Folge hingestellt, dass es für Weiners Verhältnisse fast plump wirkt. Gerettet wird das durch Midge, die Don auf genau diese Frage trocken antwortet, Frauen wollten jedenfalls nicht so etwas gefragt werden.
Und dann die Schlussszene. Don ruft heimlich Bettys Psychiater an und lässt sich erzählen, was sie in der Sitzung gesagt hat. Der Arzt hat damit offenbar kein Problem. Für mich eine der kältesten Szenen der ersten Staffel. Hier ist Don kein charmanter Schurke mehr, sondern schlicht ein Mann, der kontrolliert, was er nicht versteht.
Meine Einschätzung: Ruhiger, unspektakulärer als der Pilot, aber wichtiger, als ihr Ruf vermuten lässt. Sie legt das Fundament für Betty, Joan und Peggy, und damit für den eigentlichen Kern der Serie. Der Gillette-Teil ist zu dick aufgetragen, und wer Action erwartet, wird hier ungeduldig. Wer Geduld hat, sieht eine Serie, die ihre Figuren ernst nimmt.
Wertung: 7,5/10