Serienkritiken

Mad Men 1.1: „Smoke Gets in Your Eyes”

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Es gibt Pilotfolgen, die erst einmal tasten. Diese hier nicht. „Smoke Gets in Your Eyes” weiß von der ersten Minute an, was sie sein will, und das ist für eine Serie, die später so langsam und eigenwillig wird, erstaunlich.

Wir sind im März 1960. Don Draper, Creative Director der Agentur Sterling Cooper, sitzt in einer Bar und fragt einen Kellner, warum er ausgerechnet Old Gold raucht. Was nach Smalltalk aussieht, ist Verzweiflung: Lucky Strike, der wichtigste Kunde, darf nach den ersten Krebsberichten nicht mehr mit Gesundheit werben, und Don hat keine Idee. Schon in dieser Szene steckt die ganze Serie: ein Mann, der andere ausfragt, um zu verstehen, was Menschen wollen, und dabei selbst völlig unlesbar bleibt.

Was mich an dieser Folge bis heute beeindruckt, ist, wie konsequent sie den Zuschauer in die Irre führt. Don schläft bei Midge, einer Künstlerin im Village, flirtet mit Rachel Menken, der klugen Kaufhauserbin, die ihn im Meeting so bloßstellt, dass er wütend hinausgeht. Er wirkt wie der klassische Junggeselle. Erst im letzten Bild, als er nach Ossining fährt, seine schlafenden Kinder betrachtet und sich neben Betty legt, kippt alles. Das ist kein billiger Twist, sondern eine Aussage: Dieser Mann ist das beste Produkt, das er je verkauft hat.

Dazu kommt Peggy Olsons erster Tag. Joan führt sie durchs Büro und erklärt ihr mehr über Männer als über Schreibmaschinen, der Frauenarzt verschreibt ihr die Pille mit erhobenem Zeigefinger, und die Kollegen mustern sie wie Ware. Das ist schwer zu ertragen, und das soll es auch sein. Die Serie zeigt den Sexismus der Zeit nicht als nostalgisches Kolorit, sondern als Alltag, den die Frauen ertragen müssen.

Der Höhepunkt ist natürlich der Lucky-Strike-Pitch. Pete Campbell, schleimig und ehrgeizig, versucht Don mit einer Psychologiestudie über den „Todeswunsch” des Rauchers vorzugreifen und blamiert sich. Don rettet das Meeting mit „It’s toasted”: Alle Zigaretten sind gleich schädlich, aber unsere ist geröstet. Werbung verkauft nicht die Wahrheit, sondern ein Gefühl. Zynischer und gleichzeitig brillanter kann man das Prinzip der Serie kaum zusammenfassen.

Ein Moment, der oft übersehen wird: Als Peggy Don aus Dankbarkeit anflirtet, weist er sie freundlich zurück. Er merkt, dass sie glaubt, das tun zu müssen. Ein kleiner Hinweis, dass Don komplexer ist als die Männer um ihn herum. Pete dagegen steht in derselben Nacht, frisch vom eigenen Junggesellenabschied, betrunken vor Peggys Tür. Sie lässt ihn rein, und diese eine Nacht wird beide noch lange verfolgen.

Meine Einschätzung: Eine der besten Pilotfolgen, die das Fernsehen hervorgebracht hat. Sie etabliert Ton, Figuren und Thema mit einer Sicherheit, die man selten sieht. Einziger Kritikpunkt: Manche Figuren, gerade Pete, sind hier noch etwas grob gezeichnet, fast Karikatur. Das ändert sich zum Glück.

Wertung: 9/10

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