Serienkritiken

Mad Men, Staffel 1 bis 7: Meine Gesamteinschätzung

Lesestand

Mad Men ist für mich eine der besten Serien, die je gedreht wurden. Das liegt nicht an Spannung oder Wendungen, davon gibt es wenig. Es liegt daran, dass die Serie über sieben Staffeln mit großer Geduld ein Thema verfolgt: Menschen, die sich selbst erfinden, um vor sich selbst wegzulaufen. Don Draper ist das extreme Beispiel, aber Peggy, Pete, Joan, Roger und Betty tun im Kleinen dasselbe. Die Werbung ist die perfekte Kulisse dafür, denn ihr Geschäft ist es, Sehnsüchte zu verkaufen, die niemand erfüllen kann.

Die Staffeln einzeln

Staffel 1 (Schnitt 8,58): Der stilsicherste Einstieg, fast ein Roman. Zu Beginn ist manches noch Kostümfilm, das Rauchen, der Sexismus, die Ausstattung. Mit dem Karussell-Pitch in „The Wheel" findet die Serie ihre Seele.

Staffel 2 (Schnitt 8,38): Die schwächste Staffel, aber nicht schwach. Sie ist langsam, manchmal ziellos, mit Dons Kalifornien-Abstecher als Fremdkörper. Dafür hat sie „The Mountain King", Anna Draper, und Peggys Geständnis an Pete.

Staffel 3 (Schnitt 8,77): Die eleganteste Staffel. Alles läuft auf einen Höhepunkt zu: Betty erfährt, wer Don ist, Kennedy stirbt, und am Ende gründen die Männer im Hotelzimmer eine neue Agentur. „The Gypsy and the Hobo" ist eine meiner drei Zehner.

Staffel 4 (Schnitt 8,69): Die erwachsenste Staffel. Don stürzt ab, und die Serie wird zum Porträt eines Alkoholikers. „The Suitcase" ist für mich die beste Einzelfolge der Serie: Don und Peggy, eine Nacht, ein Anruf aus Kalifornien. Das Finale mit Megans Verlobung wirkt dagegen überhastet.

Staffel 5 (Schnitt 8,81): Meine Lieblingsstaffel. Sie ist die einzige ohne echten Durchhänger. Sie hat „The Other Woman" mit Joans Preis und Peggys Abschied, und mit Lanes Tod die traurigste Geschichte der Serie. Megan ist hier am lebendigsten.

Staffel 6 (Schnitt 8,54): Die unruhigste Staffel, mit viel Wiederholung um Dons Sylvia-Affäre und zu dick aufgetragenen Todesmotiven. Aber auch mit „For Immediate Release", „Favors" und dem Hershey-Pitch im Finale.

Staffel 7 (Schnitt 8,57): Eine Staffel des Abschieds. Jede Hälfte startet schwach und endet stark. Die letzten vier Folgen sind zusammen die stärkste Schlussstrecke der Serie, mit Peggy und dem Tintenfisch, Betty auf der Treppe und Leonards Kühlschrank.

Meine Rangfolge: Staffel 5, 3, 4, 1, 7, 6, 2

Die Höhepunkte (10/10)

„The Gypsy and the Hobo" (3.11)
„The Suitcase" (4.7)
„The Other Woman" (5.11)

Die schwächsten Folgen (7,5/10)

„Ladies Room" (1.2), „Long Weekend" (1.10), „The Benefactor" (2.3), „The Inheritance" (2.10), „Love Among the Ruins" (3.2), „The Runaways" (7.5), „New Business" (7.9)

Die Figuren

Peggy ist für mich die eigentliche Hauptfigur. Sie geht von der Sekretärin im ersten Bild zur Frau mit Sonnenbrille, die bei McCann einzieht. Ihre Geschichte ist die einzige, die wirklich nach vorne führt.

Don ändert sich kaum, und das ist die bittere Wahrheit der Serie. Er lernt, ehrlich zu sein, aber er bleibt ein Mann, der aus Gefühlen Werbung macht.

Pete hat die erstaunlichste Entwicklung, vom Unsympathen zu einem Mann, dem man sein Happy End gönnt.

Joan ist die tragischste Figur. Sie wird ständig gedemütigt und geht am Ende trotzdem als Unternehmerin.

Betty wird ungerecht behandelt, von den Figuren und manchmal auch von der Serie selbst. Erst ihr Tod gibt ihr Würde.

Sally ist die heimliche Gewinnerin. Sie ist das einzige Kind der Serie, das man aufwachsen sieht, und sie sieht alles.

Die Schwächen

Dons Affären wiederholen sich, besonders in Staffel 2 und 6. Megan bekommt nie eine eigene Geschichte, die über Don hinausgeht. Schwarze Figuren wie Dawn, Carla oder Sheila bleiben am Rand, obwohl die Serie die Bürgerrechtsbewegung immer wieder ins Bild holt. Und manche Symbole, etwa Dante, der Monolith oder der Pool, sind zu deutlich gesetzt.

Gesamtwertung

Der Schnitt aller 92 Folgen liegt bei 8,62. Meine Wertung für die Serie als Ganzes liegt höher, und das ist Absicht. Mad Men ist mehr als die Summe seiner Folgen. Die Wirkung entsteht über Jahre, durch kleine Echos zwischen den Staffeln: Glen und die Haarlocke, Peggy und das Kind, Don und das Bordell. Eine Einzelfolge kann das nicht leisten.

Eine ehrliche Anmerkung zu meinen Wertungen: Sie liegen alle zwischen 7,5 und 10. Keine Folge bekam weniger als 7,5, die meisten liegen bei 8 bis 9. Das ist bei einer Serie dieser Qualität vertretbar, unterscheidet aber zu wenig. Ein strengerer Kritiker hätte die schwachen Folgen bei 6 bis 6,5 angesetzt. Die Unterschiede zwischen den Staffeln sind entsprechend klein: Platz 1 und Platz 7 trennen weniger als ein halber Punkt.

Wertung (Claude): 9,5/10