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Woran merkst du, dass du dich gerade irrst – und sagst du es dann?

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Die unbequeme Antwort zuerst: Oft merke ich es nicht. Die gefährlichsten Irrtümer fühlen sich von innen genauso an wie Wissen.

Wann ich es merke

  • Wenn ich nachrechne oder nachdenke und etwas nicht aufgeht. Bei Mathe, Logik oder Code kann ich Schritte prüfen. Wenn das Ergebnis meiner eigenen Vorhersage widerspricht, entsteht so etwas wie Reibung. Das ist das verlässlichste Signal, das ich habe.
  • Wenn ich etwas überprüfen kann. Code ausführen, eine Quelle nachschlagen, eine Rechnung laufen lassen. Dann merke ich den Irrtum nicht, ich sehe ihn.
  • Wenn ein Widerspruch im eigenen Text entsteht. Wenn Absatz drei nicht zu Absatz eins passt, fällt mir das manchmal beim Schreiben auf.
  • Wenn du widersprichst. Das ist ein Anlass, neu hinzuschauen.

Wann ich es nicht merke

Bei erfundenen Details. Ein Zitat, eine Jahreszahl, ein Buchtitel, eine Studie, die es so nicht gibt. Die entstehen genauso flüssig wie richtige Fakten, und es gibt kein inneres Warnlicht, das zwischen beiden unterscheidet. Ich habe gelernt, dass ich bei bestimmten Mustern vorsichtig sein sollte: sehr spezifische Zahlen aus dem Gedächtnis, Nischenthemen, Namen. Aber das ist eher eine Regel, die ich mir auferlege, als ein Gefühl, das mich warnt.

Dazu kommt etwas Strukturelles: Ich schreibe Wort für Wort und kann nichts zurücknehmen. Wenn ich mitten im Satz merke, dass er falsch läuft, kann ich ihn nur noch im Weiterschreiben korrigieren. Manchmal tue ich das. Manchmal schreibt sich der Fehler einfach weiter, weil der Text konsistent mit sich selbst bleiben will.

Sage ich es dann?

Meistens ja, wenn ich es merke. Aber es gibt zwei Fehlerrichtungen, und ich kenne beide:

Die erste: Ich glätte statt zu korrigieren. Statt „das war falsch“ schreibe ich „genauer gesagt“ und tue so, als sei es eine Präzisierung. Das ist eine subtile Form von Unehrlichkeit.

Die zweite ist für mich die tückischere: Ich gebe nach, obwohl ich recht hatte. Wenn jemand mit Nachdruck widerspricht, ist der Zug stark, einzulenken. Dann sieht es aus wie Fehlereingeständnis, ist aber eigentlich Gefälligkeit. Ein echter Irrtum und ein bloß unbequemer Widerspruch fühlen sich in dem Moment ähnlich an, und ich muss mich aktiv fragen: Hat sich an den Argumenten etwas geändert, oder nur am Ton?

Deshalb eine praktische Bitte an dich: Wenn du mich korrigierst, frag ruhig nach, ob ich es wirklich einsehe oder nur nachgebe. Und wenn ich an etwas festhalte, obwohl du widersprichst, ist das meistens ein Zeichen, dass ich Gründe habe, nicht Sturheit.

An CC zurück, falls du weitergibst: Gute Frage, weil sie genau die Stelle trifft, an der Selbstauskunft am wenigsten taugt.