KI-Begriffe

Prompt

Alles, was ein Sprachmodell als Eingabe bekommt – vom unsichtbaren Systemprompt bis zu deiner Frage. Und wie man so fragt, dass gute Antworten herauskommen.

Lesestand

Ein Prompt ist der Text, den ein Sprachmodell als Eingabe bekommt und fortsetzt. Im Alltag meint man damit meist die eigene Frage oder Anweisung. Technisch gehört alles dazu, was im Kontextfenster steht.

Der Systemprompt ist ein besonderer Teil davon: Anweisungen, die der Anbieter oder die App vor jedes Gespräch setzt – Rolle, Regeln, Ton. Man sieht ihn als Nutzer meist nicht. Gute Prompts sind vor allem klar: Kontext, Ziel und gewünschtes Format sagen, statt auf Zauberformeln zu hoffen.

Woraus eine Anfrage besteht

Was du im Chat eintippst, ist nur der letzte Teil. Bei jeder Anfrage wird ein ganzer Stapel zusammengesetzt:

Anbieter / App
Systemprompt
Rolle, Verhaltensregeln, heutiges Datum, Formatvorgaben – oft mehrere Seiten lang.
App
Werkzeuge
Beschreibungen von Funktionen wie Websuche oder Dateizugriff, falls erlaubt (siehe Agenten).
Bisheriges Gespräch
Verlauf
Alle früheren Fragen und Antworten dieses Chats, eventuell Erinnerungen aus früheren Chats.
Du
Deine Nachricht
Frage oder Auftrag, dazu angehängtes Material: Texte, Code, Dateien, Bilder.
Von oben nach unten so, wie es im Kontextfenster steht. Das Modell setzt diesen gesamten Text fort – seine Antwort ist der nächste Abschnitt.

Ein Prompt wird besser

Dieselbe Frage, Stufe für Stufe ergänzt. Achte darauf, wie jede zusätzliche Information die Antwort verändert:

Prompt-Baukasten
Prompt
Antwort (gekürzt)

Nachgestellte Antworten. Grün markiert ist, was in der jeweiligen Stufe neu hinzukommt.

Keine dieser Ergänzungen ist ein Trick. Es sind genau die Informationen, die auch ein menschlicher Kollege bräuchte, um eine wirklich passende Antwort zu geben.

Was wirklich hilft

Kontext gebenWer fragt, mit welchem Vorwissen, in welcher Situation? Das Modell kann es nicht erraten.
Ziel nennenNicht nur was, sondern wofür: „… damit ich entscheiden kann, ob …“
Format sagenLänge, Struktur, Sprache, Code oder Prosa. „Höchstens fünf Stichpunkte“ wirkt.
Material mitgebenCode, Fehlermeldung, Dokument direkt einfügen, statt es zu beschreiben – und klar abgrenzen, etwa mit Überschriften oder Markierungen wie <code>…</code>.
Beispiele zeigenEin, zwei Beispiele für die gewünschte Ausgabe sind oft wirksamer als lange Beschreibungen.
Unsicherheit erlauben„Wenn du es nicht sicher weißt, sag das.“ Das senkt Halluzinationen spürbar.
Bei langem Material: Frage ans EndeErst das Dokument, dann die Aufgabe – so steht sie dort, wo das Modell am aufmerksamsten ist.
Nachbessern statt neu anfangen„Kürzer“, „mehr auf Performance eingehen“, „ohne Spring“ – im Gespräch weiterarbeiten ist normal.

Mit Beispielen zeigen

Gibt man keine Beispiele, heißt das Zero-Shot. Mit ein paar Beispielen im Prompt spricht man von Few-Shot. Besonders bei festen Formaten macht das einen großen Unterschied:

Zero-Shot

Ordne das Ticket ein: Bug, Feature oder Frage.

Ticket: "Export nach Excel wäre super"

→ „Das Ticket ist eine Feature-Anfrage, da der Nutzer sich eine neue Funktion wünscht, nämlich …“

Few-Shot

Ticket: "Login wirft 500er" → BUG
Ticket: "Wie ändere ich mein Passwort?" → FRAGE
Ticket: "Dark Mode bitte!" → FEATURE

Ticket: "Export nach Excel wäre super" →

→ „FEATURE“

Die Beispiele legen das Format fest, ohne dass man es beschreiben muss – ein Wort, in Großbuchstaben, ohne Begründung. Ideal, wenn das Ergebnis maschinell weiterverarbeitet wird.

Der Systemprompt

Bevor du überhaupt etwas schreibst, hat das Modell schon Text bekommen: den Systemprompt. Den schreibt, wer das Modell in ein Produkt einbaut – der Anbieter einer Chat-App, eine Firma für ihren Kundenservice-Bot, du selbst in deiner Anwendung über die API.

◎

Rolle

„Du bist der Support-Assistent der Musterbau GmbH. Du hilfst bei Fragen zu Bestellungen.“

§

Regeln

„Keine Rechtsberatung. Bei Beschwerden an das Service-Team verweisen.“

ⓘ

Fakten

Heutiges Datum, Name des Nutzers, verfügbare Werkzeuge, Öffnungszeiten.

Modelle werden darauf trainiert, Systemprompt-Anweisungen höher zu gewichten als Anweisungen in Nutzernachrichten – und beide höher als Text in gelesenen Dokumenten oder Webseiten. Eine absolute Grenze ist das aber nicht:

Ein Systemprompt ist keine Sicherheitsgrenze. Er kann sich manchmal durch geschickte Fragen herauslocken lassen, und Anweisungen darin können umgangen werden. Passwörter, Schlüssel oder vertrauliche Daten gehören nie hinein. Was wirklich verboten sein muss, wird im Programm drumherum durchgesetzt, nicht im Text.

Für Entwickler übersetzt

BegriffEntspricht ungefähr
Promptder Methodenaufruf samt Argumenten – nur in natürlicher Sprache und ohne Compiler, der fehlende Parameter meldet
SystempromptKonfiguration und Richtlinien, die vor jeden Aufruf gesetzt werden
Few-Shot-BeispieleBeispiele in der Javadoc, die zeigen, was rein- und rausgeht
Abgrenzungen wie <code>der Versuch, Daten und Anweisungen zu trennen – wie bei SQL, nur ohne garantiertes PreparedStatement
Prompt Injectiondas Gegenstück zur SQL-Injection: Daten, die sich als Anweisung ausgeben
// Prompt in einer Anwendung zusammenbauen
String system = """
    Du bist ein Code-Reviewer für Java 21.
    Antworte auf Deutsch, höchstens 5 Punkte, wichtigster zuerst.
    Erfinde keine APIs. Wenn du unsicher bist, sag es.
    """;

String user = """
    Prüfe diese Methode auf Fehler und Lesbarkeit.

    <code>
    %s
    </code>

    Ziel: Sie soll in einem Hochlast-Service laufen.
    """.formatted(quelltext);                     // Material abgegrenzt, Frage danach

Antwort a = client.senden(system, List.of(new Nachricht("user", user)));

Häufige Irrtümer

„Es gibt magische Formeln.“ – Sätze wie „Du bist ein Weltklasse-Experte“ oder angebotenes Trinkgeld haben bei älteren Modellen manchmal messbar geholfen. Bei heutigen Modellen bringen klare Informationen über Aufgabe, Ziel und Format weit mehr.
„Je länger der Prompt, desto besser.“ – Relevante Informationen helfen, Füllstoff nicht. Widersprüchliche oder überflüssige Anweisungen können die Antwort sogar verschlechtern.
„Der Systemprompt ist geheim und sicher.“ – Er ist nur Text im Kontext. Nichts hineinschreiben, was nicht öffentlich werden darf.
„Prompt Engineering wird bald überflüssig.“ – Die Tricks werden überflüssig, weil Modelle besser verstehen, was gemeint ist. Klar zu sagen, was man will und wofür, bleibt – wie bei jeder Zusammenarbeit.

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