KI-Begriffe

Multimodal

Wie ein Sprachmodell Bilder, Screenshots und Sprache verarbeitet – und warum ein Foto für das Modell am Ende auch nur eine Reihe von Tokens ist.

Lesestand

Multimodal heißt: Ein Modell versteht oder erzeugt mehr als eine Art von Daten – Text, Bilder, Audio, Video. Man kann einem multimodalen Sprachmodell also ein Foto, einen Screenshot oder eine Sprachnachricht geben und dazu Fragen stellen.

Der Trick: Ein Bild wird in kleine Kacheln zerlegt, jede Kachel wird zu einem Vektor – genau wie ein Wort-Token zu einem Embedding wird. Danach sind Bildstücke und Wortstücke für den Transformer einfach Einträge in derselben Folge.

Vom Bild zu Tokens

Ein Bild hat Millionen Pixel – viel zu viele, um jedes einzeln zu verarbeiten. Deshalb wird es in ein Raster aus gleich großen Kacheln (Patches) zerlegt. Ein eigener Bildteil des Modells, der Vision-Encoder, macht aus jeder Kachel einen Vektor. Fahr mit der Maus über das Bild:

Bild in Kacheln
Zeig auf eine Kachel.

Vereinfacht. Echte Modelle verkleinern große Bilder vorher, fassen benachbarte Kacheln oft noch zusammen und nutzen typischerweise Kacheln von etwa 14 bis 16 Pixeln Kantenlänge. Wie viele Tokens ein Bild kostet, hängt vom Modell ab – meist einige Hundert bis über tausend.

Entscheidend ist der letzte Schritt: Die Bild-Vektoren werden in denselben Raum übersetzt, in dem auch die Wort-Embeddings liegen. Für das Sprachmodell steht dann im Kontext etwa: „[Kachel 1] [Kachel 2] … [Kachel 196] Was steht auf dem Schild?“ – und die Aufmerksamkeit kann zwischen den Fragewörtern und den passenden Bildkacheln Verbindungen ziehen.

BildPixel
→
Kachelnz. B. 16 × 16 Pixel
→
Vision-Encoderjede Kachel → Vektor
→
Projektionin den Wort-Raum
→
SprachmodellBild- und Text-Tokens gemischt
Gelernt wird dieser Zusammenhang aus riesigen Mengen Bilder mit Beschreibungen. So erfährt das Modell, dass bestimmte Kachelmuster zu „Katze“, „Diagramm“ oder „NullPointerException“ passen.

Sprache und Audio

Bei Audio funktioniert es ähnlich. Ein Tonsignal wird meist zuerst in ein Spektrogramm verwandelt – ein Bild, das zeigt, welche Tonhöhen wann wie laut sind. Das wird dann in kurze Zeitabschnitte zerlegt und zu Tokens. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Bauweisen:

Hintereinander geschaltet

Drei getrennte Modelle:
Sprache → Text
→
Sprachmodell
→
Text → Sprache

Einfach zu bauen, aber Tonfall, Lachen oder Zögern gehen beim Umwandeln in Text verloren.

Nativ multimodal

Ein einziges Modell:
Audio-Tokens
→
Sprachmodell
→
Audio-Tokens

Hört Betonung und Gefühlslage mit und kann selbst mit Ausdruck sprechen. Schneller, weil keine Zwischenschritte nötig sind.

Und in die andere Richtung?

Multimodal kann auch die Ausgabe sein. Für Bilder gibt es zwei Ansätze: Diffusionsmodelle, die ein Bild schrittweise aus Rauschen herausarbeiten, und Modelle, die Bild-Tokens genauso nacheinander erzeugen wie Text-Tokens. Viele Anwendungen kombinieren ein Sprachmodell, das versteht, was gewünscht ist, mit einem Bildmodell, das es zeichnet.

Was gut geht – und was nicht

Gut

  • Screenshots von Fehlermeldungen und Stacktraces lesen
  • Diagramme, Tabellen und Folien erklären
  • Aus einer UI-Skizze HTML oder Code machen
  • Handschrift und Fotos von Dokumenten lesen
  • Beschreiben, was auf einem Foto passiert

Schwieriger

  • Viele gleichartige Dinge genau zählen
  • Sehr kleine Schrift oder Details in großen Bildern
  • Exakte räumliche Beziehungen und Maße
  • Analoge Uhren und Messgeräte ablesen
  • Gesichter wiedererkennen – oft auch bewusst nicht erlaubt

Viele Schwächen folgen direkt aus den Kacheln: Was kleiner ist als eine Kachel oder über Kachelgrenzen verteilt liegt, ist schwerer zu erfassen. Hilfreich ist, wichtige Bildausschnitte zu vergrößern oder das Bild zuzuschneiden.

Für Entwickler übersetzt

BegriffEntspricht ungefähr
Patch / Kachelein Ausschnitt des Pixel-Arrays, etwa int[16][16][3]
Vision-Encoderein Adapter: wandelt Bildausschnitte in dasselbe Format wie Wort-Embeddings
Multimodaler Kontexteine List<Token>, in der Text- und Bild-Tokens gemischt vorkommen
Bild in der APImeist Base64-kodiert oder als URL im Request – und es kostet Tokens wie Text

Häufige Irrtümer

„Das Modell sieht das Bild so wie ich.“ – Es verarbeitet ein Raster aus Kachel-Vektoren. Manches erkennt es besser als Menschen, an manchem scheitert es, was für uns trivial ist.
„Das Bild wird erst in Text beschrieben und dann gelesen.“ – Bei heutigen multimodalen Modellen nicht: Die Bildinformation geht als Vektoren direkt ins Modell. Ältere Systeme haben tatsächlich so gearbeitet.
„Ein Bild kostet nichts extra.“ – Es belegt Hunderte bis Tausende Tokens im Kontextfenster und wird entsprechend berechnet.
„Was das Modell im Bild beschreibt, ist sicher drin.“ – Auch hier gibt es Halluzinationen: plausible Details, die gar nicht im Bild sind.

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