Das Risiko und sein Preis – Nassim Nicholas Taleb
Das moralischste der vier Bücher
Das Risiko und sein Preis erschien 2018, im Original unter dem Titel Skin in the Game. Der Ausdruck lässt sich schlecht übersetzen. Er bedeutet ungefähr: mit eigener Haut im Spiel sein, selbst etwas zu verlieren haben, für die eigenen Entscheidungen haften. Der deutsche Titel trifft es halbwegs, der englische besser.
Es ist Talebs kürzestes Buch der Reihe, deutlich unter 400 Seiten, und sein moralischstes. Die drei Vorgänger fragten im Kern: Wie geht man klug mit Ungewissheit um? Dieses fragt: Wie geht man anständig mit ihr um? Und wer trägt die Folgen, wenn etwas schiefgeht?
Die These ist schlicht und hat eine enorme Reichweite: Ein System funktioniert nur, wenn diejenigen, die Entscheidungen treffen, auch deren Folgen tragen. Wo diese Verbindung reißt, entstehen Fragilität, Ungerechtigkeit und Dummheit, und zwar in genau dieser Reihenfolge. Taleb wendet den Gedanken auf Banker, Berater, Politiker, Journalisten, Ärzte, Akademiker und Religionen an und baut daraus eine Mischung aus Risikotheorie, Ethik und Gesellschaftskritik.
Wer die anderen Bücher gelesen hat, erkennt hier die Wurzel von allem: Die Truthähne in Der Schwarze Schwan und die fragilen Banken in Antifragilität gibt es, weil jemand an ihnen verdient, der den Absturz nicht mitmacht.
Die Kernthese: Symmetrie
Taleb beginnt mit dem Codex Hammurabi, einer babylonischen Gesetzessammlung von etwa 1750 vor Christus. Eines ihrer Gesetze besagt sinngemäß: Baut ein Baumeister ein Haus, und es stürzt ein und tötet den Besitzer, so wird der Baumeister getötet. Das klingt barbarisch, aber Taleb liest darin eine tiefe Einsicht: Der Baumeister weiß mehr über das Haus als jeder Prüfer. Er kann Schwächen im Fundament verstecken, die niemand findet. Die einzige verlässliche Sicherung ist, dass er selbst haftet. Wer mit eigener Haut im Spiel ist, versteckt keine Risiken.
Die silberne Regel
Als ethische Grundlage zieht Taleb die negative Form der Goldenen Regel vor, die er die silberne Regel nennt: Tu anderen nicht an, was du nicht willst, dass man dir antut. Die positive Fassung, „Tu anderen, was du dir wünschst“, hält er für gefährlich, weil sie zu Bevormundung einlädt. Wer glaubt, zu wissen, was gut für andere ist, wird zum Weltverbesserer, der die Rechnung nicht selbst bezahlt. Die silberne Regel verlangt weniger und ist dafür verlässlicher. Das ist Via negativa aus Antifragilität, angewandt auf die Moral.
Der Bob-Rubin-Deal
Das Gegenbild zum Baumeister ist für Taleb Robert Rubin, ehemaliger US-Finanzminister, der in den Jahren vor der Finanzkrise bei der Citigroup mehr als 100 Millionen Dollar an Vergütung erhielt. Als die Bank 2008 vom Steuerzahler gerettet werden musste, behielt Rubin sein Geld. Taleb macht daraus einen Gattungsbegriff: Ein „Bob-Rubin-Trade“ ist jede Konstruktion, bei der jemand die Gewinne privat einstreicht und die Verluste anderen überlässt. Solche Konstruktionen findet er überall: bei Fondsmanagern, die an Gewinnen verdienen, aber nicht an Verlusten beteiligt sind, bei Beratern, die Provision für den Verkauf bekommen, bei Politikern, deren Fehlentscheidungen erst wirken, wenn sie längst abgewählt sind.
Warum Symmetrie nicht nur gerecht, sondern klug ist
Der eigentliche Kern des Buches ist kein moralischer, sondern ein erkenntnistheoretischer Gedanke. Wer für seine Fehler bezahlt, lernt. Wer nicht bezahlt, lernt nicht, und schlimmer: Er wird nicht aussortiert. In einem System mit eigener Haut im Spiel verschwinden die Unfähigen, weil ihre Fehler sie treffen. Ohne Haftung können sie Jahrzehnte überleben und Schaden anrichten. Haftung ist für Taleb deshalb der Filter, durch den Systeme Wissen gewinnen. Er ist die Verbindung zwischen der Evolution, die Fehler bestraft, und einer Gesellschaft, die funktioniert.
Die Werkzeuge des Buches
Um die Kernthese herum baut Taleb eine Reihe von Gedanken, die teils brillant, teils gewagt sind. Sechs davon tragen das Buch.
1. Ergodizität: Warum Ruin anders ist
Für mich das stärkste Kapitel, nicht nur dieses Buches, sondern der ganzen Reihe. Taleb unterscheidet zwei Situationen. Im ersten Fall gehen 100 Menschen je einmal ins Kasino. Einer verliert alles. Das hat keinen Einfluss auf die anderen 99, und man kann sauber ausrechnen, was der Durchschnitt verdient oder verliert. Im zweiten Fall geht ein einziger Mensch 100 Tage hintereinander ins Kasino. Verliert er am 28. Tag alles, gibt es keinen 29. Tag. Sein Ergebnis hat mit dem Durchschnitt der 100 Menschen nichts zu tun.
Die Ökonomie rechnet fast immer mit dem ersten Fall, dem Durchschnitt über viele Menschen. Das Leben findet aber im zweiten statt: Wir sind eine Person, die viele Risiken nacheinander eingeht. Und wer immer wieder ein kleines Ruinrisiko eingeht, wird irgendwann ruiniert, mit Sicherheit. Daraus folgt Talebs radikalste Regel: Man kann Risiken eingehen, so viele man will, aber nie eines, das einen auslöscht. Was Ökonomen oft als übertriebene Vorsicht oder „irrationale“ Angst belächeln, ist in Wahrheit vernünftig, sobald Ruin im Spiel ist. Rationalität heißt für Taleb: überleben.
Das gilt in Schichten: für dich, für deine Familie, für eine Gemeinschaft, für die Menschheit. Je höher die Schicht, desto unbedingter muss Ruin vermieden werden. Daher seine Härte bei Themen wie Pandemien oder genetisch veränderten Organismen.
2. Die Minderheitenregel
Eine kleine, unnachgiebige Minderheit kann einer ganzen Gesellschaft ihre Regeln aufzwingen, wenn die Mehrheit flexibel ist. Taleb erklärt das an Getränken: Wer koscher lebt, trinkt nichts Nicht-Koscheres. Alle anderen trinken auch Koscheres. Für einen Getränkehersteller ist es daher billiger, alles koscher zu machen, als zwei Linien zu führen. So wird fast die gesamte Limonade in den USA koscher, obwohl nur ein kleiner Teil der Bevölkerung das verlangt. Dasselbe Prinzip erklärt Halal-Fleisch in britischen Kantinen, erdnussfreie Schulen oder warum in einer Besprechung Englisch gesprochen wird, sobald eine Person kein Deutsch kann.
Taleb sieht darin einen Schlüssel für gesellschaftlichen Wandel: Nicht die Mehrheit verändert eine Gesellschaft, sondern eine Minderheit, die nicht nachgibt und bereit ist, für ihre Haltung einen Preis zu zahlen. Das gilt im Guten wie im Schlechten.
3. Die Interventionisten
Taleb attackiert eine Gruppe, die er mit einer Abkürzung belegt, die sich mit „gebildeter Idiot“ übersetzen lässt: Experten, Berater und Kommentatoren, die anderen erklären, wie sie zu leben haben, ohne selbst die Folgen zu tragen. Sein Hauptbeispiel sind die Befürworter der Militärinterventionen im Irak und in Libyen, die nie dort lebten, nie kämpften und nie zur Rechenschaft gezogen wurden, als beide Länder im Chaos versanken. Das ist der polemischste Teil des Buches.
4. Lindy als Richter
Wer entscheidet, was wahr ist? Bei Taleb: die Zeit. Ideen, Bräuche und Institutionen, die Jahrhunderte überlebt haben, haben einen Härtetest bestanden, gegen den kein Gutachten ankommt. Er wendet das auch auf Religion an: Ob religiöse Regeln wörtlich wahr sind, sei weniger wichtig als die Frage, ob die Gemeinschaften, die ihnen folgten, überlebt haben. Speiseregeln, Fastenzeiten, Sabbat seien als Überlebenstechniken zu lesen.
5. Der Angestellte
Ein provozierender Abschnitt: Warum beschäftigen Firmen Angestellte statt freier Auftragnehmer, obwohl diese oft billiger wären? Weil Angestellte etwas zu verlieren haben, nämlich ihre Stelle, und deshalb gehorchen. Ihre eigene Haut steckt im Spiel, aber auf eine Weise, die sie unfrei macht. Taleb ist hier zugespitzt bis zur Unfreundlichkeit, aber der Kern trifft: Wer finanziell von einer einzigen Stelle abhängt, kann vieles nicht sagen, was er denkt. Freiheit hat bei Taleb viel mit Unabhängigkeit zu tun.
6. Der Chirurg, der nicht wie einer aussieht
Eine kleine, kluge Regel: Wenn du zwischen zwei gleich qualifizierten Chirurgen wählst, von denen einer aussieht wie aus dem Prospekt, gepflegt, eloquent, mit edler Brille, und der andere wie ein Metzger, nimm den Metzger. Er hat es trotz seines Aussehens geschafft, also muss er wirklich gut sein. Der andere könnte auch wegen seines Auftretens dort gelandet sein. Allgemein: Misstraue allem, das zu sehr nach seiner Rolle aussieht, und vertraue Leistung, die sich gegen Widerstände durchgesetzt hat.
Was es dir bringt
Das Buch gibt dir vor allem eine Prüffrage, die man in fast jeder Lage stellen kann: Wer zahlt, wenn das schiefgeht? Wer die Frage einmal verinnerlicht hat, hört Ratschläge, Prognosen und Versprechen anders.
Berater prüfen
Das ist der unmittelbarste Nutzen. In Deutschland wird ein großer Teil der Finanzprodukte über Provision verkauft: Der Berater verdient am Abschluss, nicht an deinem Ergebnis. Das ist nach Taleb ein klassischer asymmetrischer Deal. Daraus folgen einfache Fragen, die man stellen darf:
- Wie wirst du bezahlt? Honorar oder Provision, und an welchem Produkt verdienst du mehr?
- Hast du das selbst? Talebs Lieblingsregel, sinngemäß: Erzähl mir nicht, was du denkst, zeig mir, was du in deinem Depot hast.
- Was passiert mit dir, wenn deine Empfehlung schiefgeht? Wenn die ehrliche Antwort „nichts“ ist, ist das kein Grund, den Rat zu verwerfen, aber einer, ihn genauer zu prüfen.
Das gilt genauso für Handwerker, Ärzte, Gutachter und Unternehmensberater. Ein Arzt, der dir eine Behandlung empfiehlt, die er selbst ablehnen würde, ist ein Warnsignal.
Geld: Die Ergodizitätsregel für die Rente
Das Kasino-Kapitel ist für jemanden mit 56 direkt anwendbar. Statistiken über durchschnittliche Aktienrenditen über 30 Jahre beschreiben den ersten Fall, viele Anleger im Durchschnitt. Du bist der zweite Fall: eine Person mit einer bestimmten Reihenfolge von Jahren. Ein schwerer Crash kurz vor oder kurz nach Rentenbeginn trifft dich ganz anders als den Durchschnitt, weil du womöglich gerade dann entnehmen musst. Die Konsequenz: Der Teil des Vermögens, den du in den nächsten Jahren brauchst, gehört nicht ins Risiko, egal, was die langfristigen Durchschnitte versprechen. Ruin, und sei er nur ein Rentenruin, ist keine Frage der Rendite.
Dasselbe gilt für kleine, wiederholte Risiken im Alltag, die einzeln harmlos erscheinen. Wer jahrelang ein kleines tödliches Risiko eingeht, beim Fahren, beim Rauchen, beim Klettern ohne Sicherung, sammelt Wahrscheinlichkeit an.
Rat geben
Mit Mitte 50 ist man öfter in der Rolle dessen, der Rat gibt: Kindern, jüngeren Kollegen, Freunden. Taleb liefert eine schlichte Regel: Rate nur, was du selbst tust oder tun würdest. Und sag dazu, was es dich gekostet hat. Ein Rat mit eigener Haut ist glaubwürdiger, und ehrlicher.
Unabhängigkeit und Haltung
Der Abschnitt über Angestellte stellt eine Frage, die mit den Jahren wichtiger wird: Wie viel von dem, was du denkst, kannst du sagen, ohne etwas zu riskieren? Wer finanziell unabhängiger wird, durch Ersparnisse, eine abbezahlte Wohnung oder eine zweite Einkommensquelle, gewinnt nicht nur Sicherheit, sondern Redefreiheit. Taleb würde sagen: Das ist einer der wenigen Vorteile des Alters, die man aktiv vergrößern kann.
Nachrichten und Politik lesen
Bei Kommentatoren, Experten und Politikern hilft die Prüffrage enorm: Wer hat etwas zu verlieren, wenn er falschliegt? Ein Ökonom, der jahrelang danebenliegt und trotzdem jede Woche in der Talkshow sitzt, hat keine Haut im Spiel. Ein Unternehmer, der mit eigenem Geld auf seine These setzt, schon. Das sagt nicht, wer recht hat, aber es sagt, wem man mehr Gewicht geben sollte.
Meine Sicht
Das Risiko und sein Preis ist das zugänglichste und zugleich das unausgewogenste der vier Bücher. Es enthält Talebs klarsten einzelnen Gedanken und seine schwächsten Argumente, oft im selben Kapitel.
Was mich überzeugt
Die Ergodizität. Der Unterschied zwischen dem Durchschnitt vieler und dem Weg eines Einzelnen ist der Gedanke, den ich aus der gesamten Reihe am höchsten einschätze. Er stammt im Kern vom Physiker Ole Peters, Taleb hat ihn bekannt gemacht. Er erklärt, warum vernünftige Menschen vorsichtiger sind, als ökonomische Modelle empfehlen, und warum sie damit recht haben. Allein für dieses Kapitel lohnt das Buch.
Das Symmetrieprinzip. Es ist so einfach, dass man sich wundert, wie selten es angewendet wird. Haftung als Filter für Kompetenz ist ein Gedanke, der Ethik und Risiko elegant verbindet. Die Finanzkrise 2008, bei der kaum ein Verantwortlicher persönlich haftete, ist der lebende Beweis, dass das Problem real ist.
Die Minderheitenregel. Originell, überraschend, und erklärt Phänomene, für die man vorher keine Sprache hatte. Wer einmal verstanden hat, warum die Limonade koscher ist, sieht das Muster an vielen Stellen.
Die Länge. Endlich ein Taleb-Buch, das man in einer Woche lesen kann.
Was mich stört
Der Ton ist hier am schlimmsten. Taleb beschimpft Kritiker, Journalisten, Ökonomen und Kollegen in einem Maß, das über Polemik hinausgeht. Steven Pinker, der auf meiner Liste steht, wird ausführlich angegriffen. In der Sache hat Taleb einen bedenkenswerten Punkt: Ob Kriege wirklich seltener werden, lässt sich bei so seltenen, extremen Ereignissen statistisch kaum belegen. Aber er bringt ihn so gehässig vor, dass man ihn fast überliest.
Haut im Spiel ist nicht immer gut. Hier liegt der blinde Fleck des Buches. Es gibt Rollen, die gerade davon leben, dass jemand nicht persönlich betroffen ist: der Richter, der kein Interesse am Ausgang des Falls haben darf, der Gutachter, der unabhängig sein soll, der Wissenschaftler, der seine Hypothese auch verwerfen können muss. Persönliche Betroffenheit schafft nicht nur Verantwortung, sondern auch Befangenheit. Taleb sieht nur die eine Seite.
Lindy als Wahrheitsrichter ist gefährlich. Dass etwas lange überlebt hat, beweist, dass es robust ist, nicht, dass es gut ist. Sklaverei, Hexenverfolgung und die Rechtlosigkeit von Frauen waren über Jahrtausende sehr „Lindy“. Taleb weiß das vermutlich, aber er formuliert das Prinzip so, als sei Überleben gleichbedeutend mit Recht haben.
Die Interventionisten-Kapitel sind Abrechnung, nicht Analyse. Dass viele Befürworter des Irakkriegs nie zur Verantwortung gezogen wurden, ist ein guter Punkt. Aber aus einzelnen Beispielen wird eine pauschale Verachtung für alle, die über Politik nachdenken, ohne selbst zu handeln. Damit trifft Taleb am Ende auch sich selbst.
Mein Urteil
Als Gedankenbuch eine 7 von 10, als Lesevergnügen eine 7. Lesenswert vor allem für das Kapitel über Ergodizität und Ruin, das Prinzip der Symmetrie und die Minderheitenregel. Den Rest kann man zügig lesen und dabei die Beleidigungen überblättern.
Die Reihe im Rückblick
Die vier Bücher erzählen zusammen eine Entwicklung: von der Beobachtung eines Händlers über eine Theorie des Unvorhersehbaren zu einer Lebenslehre und schließlich zu einer Ethik. Jedes baut auf dem vorigen auf, und jedes ist zorniger als das vorige.
| Buch | Erschienen | Kernfrage | Zentrales Konzept | Gedanken | Lesen |
|---|---|---|---|---|---|
| Narren des Zufalls | 2001 | Wie viel ist Glück, wie viel Können? | alternative Geschichten, Überlebensirrtum, Asymmetrie | 8/10 | 6/10 |
| Der Schwarze Schwan | 2007 | Welcher Zufall prägt die Welt? | Mediokristan und Extremistan | 9/10 | 7/10 |
| Antifragilität | 2012 | Wie gewinnt man durch Unsicherheit? | fragil, robust, antifragil; Via negativa; Optionalität | 9/10 | 5/10 |
| Das Risiko und sein Preis | 2018 | Wer trägt die Folgen? | Symmetrie, Ergodizität und Ruin | 7/10 | 7/10 |
Mein Gesamturteil über Taleb
Taleb ist einer der wichtigsten Denker über Risiko seiner Generation und einer der unangenehmsten Autoren, die ich kenne. Beides gehört zusammen. Seine Stärke ist die Unbeugsamkeit, mit der er auf Dingen besteht, die bequeme Experten lieber übersehen. Seine Schwäche ist dieselbe Unbeugsamkeit, die ihn unfähig macht, eigene Übertreibungen zu bemerken. Man sollte ihn lesen wie einen klugen, streitlustigen Onkel: Die Hälfte dessen, was er sagt, ist Gold, die andere Hälfte Temperament, und die Kunst ist, beides auseinanderzuhalten.
Wenn du nur eines liest: Antifragilität, aber selektiv. Wenn du zwei liest: dazu Der Schwarze Schwan. Die anderen beiden sind für den, der Taleb wirklich verstehen will.
Was aus allen vier Büchern bleibt
Fünf Regeln, die ich für dauerhaft wertvoll halte und die mit 56 eher wichtiger werden als unwichtiger:
- Vermeide Ruin, um jeden Preis. Alles andere ist verhandelbar.
- Beurteile Entscheidungen nicht nur nach ihrem Ergebnis. Frag, was in den anderen möglichen Welten passiert wäre.
- Frag nach den Folgen, nicht nach Wahrscheinlichkeiten. Was passiert mit mir, wenn es eintritt?
- Streiche, bevor du hinzufügst. Schulden, Gewohnheiten, Informationen, Verpflichtungen.
- Vertraue denen, die selbst etwas zu verlieren haben. Und handle selbst so, dass man dir aus demselben Grund vertrauen kann.
Das sind, nüchtern betrachtet, sehr alte Weisheiten. Seneca hätte die meisten unterschrieben. Talebs Verdienst ist, dass er sie mit den Mitteln der Statistik und der Erfahrung eines Händlers neu begründet hat, sodass man sie nicht mehr als Lebensklugheit abtun kann, sondern als Mathematik ernst nehmen muss.